Angedacht

Licht und Heil

Drei seiner Kinder sterben bald nach der Geburt. Nach der Geburt seines vierten Kindes stirbt seine Frau. Obwohl er sehr bekannt ist und viele Aufträge erhält, kann er seine Schulden nicht zurückzahlen. Sein Haus wird verkauft. Er verwickelt sich in Rechtsstreitigkeiten. Mit 26 Jahren stirbt sein Sohn. Im Jahr darauf, es ist das Jahr 1669, stirbt er selbst im Alter von 63 Jahren. Die Rede ist von Rembrandt. Er war berühmt und hat die Kunst seiner Zeit geprägt, aber hat ihn das glücklich  gemacht?  Er  hat  viel  er- reicht und geschaffen. Was ist ihm am Ende geblieben?

Das letzte Bild, an dem Rembrandt gearbeitet hat, ist unvollendet geblieben. Es ist eine Szene aus dem Lukasevangelium. Simeon hält den neugeborenen Jesus auf seinen Armen und sagt zum Erstaunen der Zuhörenden:

„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen  Heiland  gesehen,  das  Heil,  das

du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“ (Lukas 2,29-32)

Rembrandt hat sich in seiner Malerei und seinen Zeichnungen immer wieder mit dieser Geschichte beschäftigt. Am Ende lässt er alles drumherum weg und konzentriert sich ganz auf dieses Kind und das Licht, das sich im Gesicht des alten Mannes widerspiegelt. Er hat erreicht, wofür er gelebt hat, oder vielleicht zutreffender: Gott hat ihn erreicht - mit dem Geschenk, das er ihm gemacht hat.

Dieser Augenblick ist weder Ziel noch Vollendung, aber er trägt beides in sich. Simeon erfährt sehr persönlich, was Gott allen Menschen zugedacht hat – Licht und Heil.

Das mag der Grund gewesen sein, dass Rembrandt sich selbst in dieser Darstellung entdeckt hat. Er musste nicht alles erreicht haben. Gerade in seinem Scheitern reichte es, einen Blick auf das heilsame Handeln Gottes zu werfen, um glücklich zu sein. Gerade am Ende musste er nicht vollendet sein oder ein vollendetes Werk geschaffen haben, um ein tröstendes Licht zu spüren.

Es mag an Weihnachten wie im Leben Rembrandts viele unerfüllte Wünsche und manche Enttäuschungen geben. Aber gerade wenn das Jesuskind wieder aus der Krippe genommen wird, legt Gott es uns ans Herz – als unser Licht und zu unserem Heil.

 

Ihr Pfarrer

Matthias Krämer