Angedacht

Was lohnt sich?

Das lohnt sich nicht mehr! Glasklar stand diese Erkenntnis vor 15 Jahren im Raum. Der Mini-Maxi-Club der Familien Bildungsstätte Tübingen (FBS) im „Goethehäusle“ stand zwei Jahre nach seiner Gründung vor dem Aus. Statt der Mindestanzahl von sechs Kindern waren es gerade mal noch drei, die dieses Betreuungsangebot für Kinder zwischen 1 ½ und drei Jahren nutzten - also kein Modell mit Zukunft und schon gar keines, dass sich auch nur ansatzweise rechnet.

Doch unter diesen drei Kindern war ein Junge, der es schwer hatte. Er kam aus komplizierten Verhältnissen und ihm tat die Gruppe sehr gut. Und Elke, die Erzieherin, die die Gruppe damals geleitet hat, sagte: „Wegen diesem einen Kind kann ich die Gruppe nicht einstellen.“ Deshalb hat sie auf die Hälfte ihres Honorars verzichtet und hat die Gruppe bald ein halbes Jahr lang so weitergeführt – für dieses eine Kind. Und dadurch blieb die FBS mit ihrem Angebot im Haus.

Am diesjährigen Erntedankfest öffnen sich die Türen des Hauses in der Goethestraße zu einem Tag der offenen Tür. Seit September ist aus dem Gemeindehaus „Goethehäusle“ das „Evangelische Bildungshaus“ geworden.

Die FBS hat hier ihre neue Mössinger Außenstelle eingerichtet.  Ca. 150 Personen gehen künftig jede Woche durch die Türen dieses Hauses, das bis Juli kaum noch genutzt wurde. Kurse zu Geburtsvorbereitung und Gesundheitserhaltung haben ab jetzt hier einen Ort, genauso wie Themen zur Gestaltung des Familienlebens und Unterstützung von Eltern und Großeltern.

Auch die Eltern und Kinder des aktuellen Mini-Maxi-Clubs der FBS gehen nach wie vor durch diese Türen. Seit damals vor 15 Jahren waren es weit über hundert Kleinkinder, die dort erste Schritte zur Selbständigkeit und Vorbereitung auf den Kindergarten gemacht haben, immer begleitet von liebevollen, engagierten Erzieherinnen. Doch Ohne Elke und ihren Idealismus damals gäbe es das alles heute vermutlich hier nicht.

Es geht nichts verloren. Ein Senfkorn der Liebe, gesät auch unter unwirtlichen Bedingungen, kann zu einem Baum werden, ohne dass ein Mensch dies ahnen oder planen kann.

Wir feiern am 2. Oktober Erntedank. Wir danken Gott für seine Gaben und tun dies meist im materiellen Sinn mit Lebensmitteln. Doch er gibt uns ja noch viel mehr als nur diese äußeren Dinge.

Er schenkt uns Zukunft, macht Mut und Hoffnung. Er lässt uns staunen und stellt uns immer wieder Menschen zur Seite, die es gut mit uns meinen und nicht gleich fragen, was es kostet und ob es sich rechnet.

So viel Gutes wächst um uns Tag für Tag. Bei aller Sorge über die schwierigen Dinge sollten wir das nicht vergessen. Es gibt immer Gründe zu staunen und es ist gut, sich für eine Herzenssache einzusetzen, auch wenn man noch nicht sieht, ob es sich „lohnt“. Wenn es aus Gottes Geist geschieht, kann es zum Segen werden, wann und wo Gott es will.

 Liebe Grüße und bis denne

Ihre und eure Pfarrerin

Frauke Dietz