Angedacht

Bald…

Es hat nur vier Buchstaben und eine Silbe und ist doch ein unglaubliches „Zauberwort“: Dieses kleine Wörtchen „bald“.

„Bald mehr Vakzin“ stand kürzlich in der Zeitung – eine Botschaft, die hoffen lässt. Und wenn Eltern sagen: „Bald sind wir da“, werden auch quengelnde Kinder auf Autorücksitzen ruhiger und zuversichtlicher. Es dauert dann nicht mehr lange, bis man bei den Großeltern ist oder am Urlaubsziel.

Der Wichtel Tomte Tummetott aus Astrid Lindgrens Wintergeschichte macht damit den Tieren seines verschneiten Hofes Mut: „Geduld, nur Geduld. Bald trabst du wieder über die Wiese und durch den Wald“, flüstert er dem Pferd im Stall zu.

Seit einem Jahr liegt die Welt in den Fängen einer Pandemie. Einschränkungen, Sorgen und Angst vor Krankheit plagen viele Menschen. Nach dieser langen Zeit gehen Kraft und Geduld bei vielen zur Neige. Der Ärger über hilflose Politiker und Fehler im Krisenmanagement nimmt täglich zu. „Wie lange soll das noch gehen?“ fragen wir uns und spüren, wie dünnhäutig wir inzwischen geworden sind.

Genau hier kann das kleine Wort „bald“ unseren Blick wieder aufrichten und nach vorne lenken. Denn es kündigt Zukunft an. Es ruft sie vor unser inneres Auge und sagt uns, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie Wirklichkeit wird. Es hilft, durchzuhalten und weiterzugehen. Es lässt aufatmen und macht Mut.

Natürlich kann man es auch als billige Vertröstung hören und umso ungeduldiger werden, wenn das „bald“ nicht bald eintrifft. Auch hiervon wissen Eltern auf Urlaubsfahrten ein Lied zu singen. Nichtsdestotrotz gilt: Die erhoffte Zukunft kommt. Wir wissen zwar noch nicht genau wann, aber sie kommt gewiss.

Es wird bald ausreichend Impfstoff da sein. Man wird bald wieder seine Lieben besuchen und – ja! – sie auch umarmen dürfen. Das Virus wird bald seinen Schrecken verlieren, das ist gewiss – wir können nur noch nicht genau sagen, wie lange es dauert.

Als Christen kennen wir diese Spannung sehr gut, denn wir stehen zeitlebens in der Verheißung von Gottes „bald“. Sein Friede kommt! Er macht alles heil und ganz. Er schafft Gerechtigkeit. Er erlöst die Gefangenen und Schuldigen. Er schafft seine neue Welt - bald!

Mir fällt die Jahreslosung von 2007 ein, die lautete: Gott spricht: "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?" (Jesaja 43,19a)

Seit Jesu Auferstehung vor fast 2000 Jahren klingt diese Hoffnung durch die Welt und durch Herzen und seit damals hoffen Menschen auf diese Zukunft Gottes. Und seit 2000 Jahren wird sie Wirklichkeit, immer wieder, jeden Tag neu. Nicht ein für alle Mal, sondern darin, dass wir uns gewiss und getrost dorthin aufmachen. Dass wir sie in uns spüren und glauben. Dass wir Widerstände auf dem Weg dorthin überwinden und einander schon jetzt diese Zukunft Gottes spüren lassen wollen.

Eine ungeheure Kraft liegt im „bald“, eine Kraft, die uns täglich voranbringt hin zu Gott – solange, bis der Tag eintritt, an dem sie voll und ganz Wirklichkeit wird und wir Gott schauen. Im Horizont dieses großen „bald“ lasst uns deshalb auch jetzt geduldig, unverzagt und unbeirrt weitergehen.

Hoffnungsvolle Grüße und auf bald!

Ihr und euer Pfarrer

 

 

Uwe Braun-Dietz