Angedacht

Vertrauen

Bild. Alexandra Bucurescu (pixelio.de.)

An einem Abend nach Pfingsten hatten wir in der Johanneskirche Gäste aus Uruguay, die einen Dokumentarfilm über die Zeit der Diktatur in Uruguay von 1973 bis 1985 vorführten. Der deutsche Titel lautet „Glaube im Widerstand“.

Es war erschreckend, von den Zeitzeugen zu erfahren, mit welchen Methoden sich eine Gewaltherrschaft durchsetzen kann. Ganz schleichend durchsetzte Angst die Herzen der Menschen und der Gesellschaft, so dass niemand mehr wagte, Widerstand zu leisten. Erst als einige junge Priester sich mit einem Hungerstreik der Unterdrückung widersetzten und andere ermutigten, sich ihnen anzuschließen, wurden die militärischen Führer verunsichert und übergaben nach einer Volksbefragung die Macht an demokratisch gewählte Parteien.

Glaube, Vertrauen – das ist keine Methode des Widerstands, aber Glaube und Vertrauen macht Menschen frei zum Denken und Handeln.

„Was für ein Vertrauen“ war auch das Thema des Kirchentags in Dortmund. Die Losung nimmt eine Geschichte aus 2. Könige 18 auf. Als er 25 Jahre alt ist, wird Hiskia König von Juda. In seinem Amt und auch ganz persönlich vertraut Hiskia auf Gott. So gelingt ihm vieles.

Doch dann gibt es Krieg. Und die feindlichen Truppen tauchen vor den Toren Jerusalems auf. Die Menschen haben Angst, aber Hiskia bleibt standhaft, obwohl er selbst ebenfalls Angst und Zweifel hat. Der General der Belagerer lässt fragen: Was ist das für ein Vertrauen, auf das das du dich stützt? Er spricht Drohungen aus und macht sich über Hiskias Glauben lustig.

Hiskia geht mit seiner Angst in den Tempel und spricht mit Gott, der ihn in seinem Vertrauen bestärkt. Am nächsten Tag sind die Feinde aus unerfindlichen Gründen abgezogen.

Es ist eine alte Geschichte, aber in einer Zeit, in der wir immer wieder die Klage hören, wie sehr das Vertrauen verloren geht und Angst Entscheidungen bestimmt, eine sehr aktuelle Geschichte. Es ist dieses Vertrauen, das wir brauchen, um uns nicht von den Problemen unseres Lebens und unserer Zeit unterkriegen zu lassen. Unser Glaube hat nichts in der Hand und scheint ohnmächtig, aber wir brauchen diesen Glauben an diesen einen Gott, damit Menschen nicht resignieren und aufgeben. Und wir brauchen Geschichten und Menschen, an deren Glauben wir uns aufrichten können. Wir brauchen einander.