Angedacht

Klar und deutlich!

Das Weihnachtsfest wird dieses Jahr anders. Viele Gewohnheiten und Rituale fallen weg. Nicht mal die Kirchen dürfen dieses Jahr an Heiligabend voll sein. Und wie man in Coronazeiten mit der Familie feiern soll, ist – wie vieles zurzeit – momentan auch völlig unklar.

Aus dem sonst üblichen Weihnachtsstress ist diesmal eine Weihnachtssorge geworden. „An Weihnachten will ich gar nicht denken!“, hat mir neulich jemand gesagt und mancher fragt sich, was überhaupt noch von diesem Fest bleibt und wie alles werden soll. Und auch über Weihnachten hinaus herrscht Unklarheit: Wie kommen wir durch den Winter? Wie entwickeln sich die Dinge überhaupt weiter?

So viel Unklarheit… vielleicht bin ich deshalb beim Lesen der Weihnachtsgeschichte an einem Wort hängen geblieben, das ich bis dato immer überlesen habe: Dem Wort „Klarheit“.

Als die Hirten nachts auf dem Feld bei ihrer Herde sind, tritt Gottes Engel zu ihnen, und dann heißt es: „Die Klarheit des Herrn leuchtete um sie“.

Bislang habe ich mir hier immer ein gleißendes Licht vorgestellt. Aber das würde ja nicht klären, sondern blenden, und das steht da auch gar nicht. Nicht mal der Verkündigungsengel leuchtet! Stattdessen umgibt die Hirten plötzlich die Klarheit des Herrn, also die Gegenwart Gottes. Diese Gegenwart klärt Dinge und bringt Verborgenes ans Licht.

Manchmal erschrickt man, wenn einem Dinge klar werden, und auch die Hirten fürchten sich zuerst. Doch dann sagt der Engel: „Fürchtet euch nicht!“ und verkündet die Geburt des Heilandes, Christus und seinen Frieden. Gott ist da. Er verbindet sich durch das Kind mit seinen Menschen und das heißt: Der Mensch hat eine Zukunft.

Da weicht die Furcht und die Hirten kommen in Bewegung. Sie wollen sehen, was los ist und brechen auf. Der „klärende Moment“ ist da schon wieder vorbei, doch er hat sie verändert. Sie haben durch ihn ein Ziel, das sie in Bewegung setzt, und sie brechen auf.

Gottes Botschaft klärt gerade auch heute. Weihnachten findet natürlich statt. Gottes Botschaft gilt klar und deutlich, egal wie der äußere Rahmen ist. Sicherlich ist manches in diesem Jahr anders und manche vertraute Gewohnheit vermissen wir schmerzlich. Doch der Kern dieses Festes bleibt fest wie seit über 2000 Jahren. Er hat Menschen auch schon durch viel schlimmere Zeiten getragen.

Die Begegnung mit dem Kind in der Krippe erfüllt Herzen inmitten der Dunkelheit mit Hoffnung auf den neuen Morgen, wie damals auch die Hirten, wenn es am Ende heißt: „Sie kehrten wieder um und priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.“

Die Klarheit der Weihnachtsbotschaft leuchtet deshalb gerade auch heute. In alle Angst und Verunsicherung hinein ruft Gott: „Fürchtet euch nicht!“ und die Worte des Engels machen Mut und geben Zuversicht. Wir können aufbrechen, wie damals die Hirten zum Stall. Gottes neuer Morgen kommt. Es wird wieder hell. Darauf lasst uns schauen.

Ein frohes Weihnachtsfest und bis denne

Ihre und eure Pfarrerin

 

Frauke Dietz