Kirchenmusikerstelle neu besetzt

Neuer Bezirkskantor: Nikolai Ott

Das Bezirkskantorat „Tübingen Land“ und die Stelle des Kantors in Mössingen ist neu besetzt. Nikolai Ott tritt die Stelle zum 1. Oktober 2019 an. Der 1989 in Hohenlohe geborene Kirchenmusiker studierte in Tübingen und Trossingen Kirchenmusik und Chorleitung und lebt seit 2014 im Kreis Tübingen. Während des Studiums arbeitete er mit verschiedenen Chören in der Region,

darunter mit dem Thomas Selle-Ensemble und der Kantorei der Karlshöhe in Ludwigsburg.

Der Nachfolger von Günther Löw wird in Mössingen die Kantorei und das Chörle leiten, geistliche Konzerte veranstalten und koordinieren und natürlich als Organist die Gottesdienste in unseren Kirchen musikalisch bereichern. Neben seinen neuen Aufgaben in unserer Kirchengemeinde betreut Nikolai Ott als Bezirkskantor auch den Kirchenbezirk Tübingen und ist Ansprechpartner für die Aus- und Fortbildung nebenamtlicher Chorleiter und Organisten im Bezirk.

Wir freuen uns sehr und sind als Gemeinde schon gespannt auf unseren neuen Bezirkskantor.

Angedacht

Mitten ins Herz

Bild: Wikipedia

Es war ein Schock für ganz Europa: „Notre Dame brennt!“ Menschen an der Seine in Paris und an Fernsehern in aller Welt schauten fassungslos und hilflos zu, wie der Dachstuhl des Pariser Wahrzeichens am Montag der Karwoche abbrannte.

Gott sei Dank konnte die Feuerwehr den Einsturz der Kathedrale gerade noch rechtzeitig verhindern, doch das Feuer bewegte und bewegt ungeheuer viele Menschen. Das gotische Meisterwerk ist nicht nur das Herzstück von Paris und Frankreich, es bildet auch einen zentralen Teil unserer europäischen Identität. 800 Jahre Kultur- und Religionsgeschichte nicht nur Frankreichs, sondern auch des christlichen Abendlandes spiegeln sich in Notre Dame wieder und nicht umsonst besuchen 13 Millionen Touristen aus aller Welt jedes Jahr diese Kirche.

Für vermutlich jeden Menschen mit einem Gespür für Geschichte, Kultur und Schönheit waren die Bilder der Flammen deshalb ein Stich ins Herz und für gläubige Menschen noch mehr. Denn ein brennendes Gotteshaus ist, egal wo, schlimm, weil unser Glaube ganz tief in uns verankert ist und sich in Gebäuden als äußeren Zeichen birgt. Und wenn solch ein Gebäude zerstört wird, dann schmerzt das ganz tief.

Mir hat der Brand von Notre Dame deshalb wieder neu gezeigt, welch wichtige Gebäude unsere Kirchen sind. Äußerlich sind sie zwar nur aus Stein, Glas, Metall und Holz, aber innerlich sind sie Orte des Herzens. Es sind Orte, in denen wir uns selbst vergewissern. Sie binden uns in die Geschichte rück und bringen uns die Menschen, die vor uns waren, nahe. Die durchbeteten Wände, die frohen und traurigen Momente vor Altären, das Wissen um die Mühen und Entbehrungen der Generationen vor uns, wir erahnen all das, wenn wir die Portale durchschreiten. Der Wunsch, Gott die Ehre zu erweisen durch schöne Räume, wird in Kirchenkunst und Architektur sichtbar. Wir spüren: Kirchen sind Orte des Herzens, sie kommen von Herzen, werden mit Herzblut gestaltet und sollen mitten ins Herz gehen als Räume für unseren Glauben.

Trotz aller schlimmen Zerstörung in Paris stimmt mich der Brand von Notre Dame deshalb zuversichtlich: Natürlich wird die Kathedrale wiederaufgebaut und zu einem neuen Zeichen europäischer Identität werden. Und so wie ihr Brand Menschen in aller Welt geeint hat, wird sie auch ihr Wiederaufbau länder-, kultur- und religionsübergreifend einen.

Dieser Wiederaufbau wird – ähnlich wie bei der Dresdner Frauenkirche – vielen Menschen den Blick für den Wert von Kirchen, der weit über Materielles hinausgeht, öffnen. Und er wird ihre Blicke auch auf den richten, dessen Haus sie letztlich immer war und ist: Jesus Christus, den Herrn der Kirche.

Und wenn dereinst dort wieder Gottesdienst gefeiert wird, dann klingen die Choräle anders, weil denen, die dann singen, unsere Zerbrechlichkeit bewusster ist und auch der, der uns genau mit dieser Zerbrechlichkeit in seinen Händen hält. Ich freu mich schon jetzt auf die Wiedereinweihung.

Herzliche Grüße

Ihr und euer Pfarrer 

Uwe Braun-Dietz