Familienkirche

Angedacht

Gute Worte: eine Wohltat

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Ich gebe es gerne zu: Ich mag Honig – nicht nur weil mein Bruder Hobbyimker ist. Als Brötchenaufstrich ziehe ich einen guten Waldhonig gerne Marmelade oder Nussnougatcreme vor. Und wenn eine Erkältung aufzieht, trinke ich schnell einen mit Honig gesüßten heißen Tee. Die entzündungshemmende Wirkung von Honig war schon im Altertum bekannt. Deshalb kann ich gut verstehen, dass in der Bibel folgender Vergleich gebraucht wird: „Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.“ (Sprüche 16,24, Monatsspruch für Juni).

Freundliche aufmunternde Worte tun gut, das haben wir alle schon erlebt. Das Gegenteil natürlich auch: Mürrische und aggressive Worte können einem den ganzen Tag verderben.  

Leider sind wir umgeben von harten Worten: Je ungehobelter die Kommentare in den sozialen Medien (was ist dann daran noch „sozial“?) ausfallen, desto mehr werden sie beachtet. Je reißerischer ein Buchtitel formuliert ist, desto häufiger geht er über den Ladentisch. Je mehr Fäkalsprache eine Realityshow enthält, desto höher die Einschaltquoten. Das wirkt sich auf den Tonfall aus, der unseren konkreten Alltag beherrscht. Manchmal fällt einem geradezu auf, wenn Menschen nett miteinander umgehen, einander freundliche Worte sagen.

Wenn in meiner Jugend bei Diskussionen am Esszimmertisch der Ton scharf wurde, unterbrach mein Vater manchmal: „Redet mit Jerusalem freundlich!“ Er erinnerte dabei an ein Bibelwort aus dem Propheten Jesaja: „Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, ... dass ihre Schuld vergeben ist.“ (Jesaja 40,2) Gott wendet sich uns Menschen gnädig zu, er begegnet uns freundlich. In der Bibel können wir so viele freundliche Worte Gottes an uns Menschen entdecken! Deshalb haben wir als Christen allen Grund, anderen Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen. Nicht immer wird uns das gelingen, aber wir können es uns immer wieder vornehmen und uns dabei an Gottes Freundlichkeit erinnern lassen. Das schließt – wie in der Bibel auch – unangenehme Wahrheiten nicht aus. Aber: Der Ton macht bekanntlich die Musik. Gute Worte sind eine Wohltat – für den, der sie hört und genauso für den, der sie sagt.

Vielleicht denken Sie ja dran, wenn Sie das nächste Mal ein Honigbrot genießen.

Herzlich grüßt Sie Ihr

Pfarrer Joachim Rieger