Eine Ära in Mössingen geprägt

Abschied von Günther und Ruth Löw

Nach 36-jähriger Tätigkeit in Mössingen und im Kirchenbezirk Tübingen beginnt für Günther Löw ab November die passive Phase der Altersteilzeit. Noch vor Ende seines Musikstudiums begann er

im Oktober 1982 als Chorleiter der Mössinger Kantorei (damals noch „Singkreis“), ab Januar 1983 war er als Bezirkskantor in Mössingen tätig. Er hat hier in Mössingen eine ganze Ära der Kirchenmusik geprägt. Im Gottesdienst in der Peter-und-Paulskirche am Sonntag, 21. Oktober um 10 Uhr verabschieden wir ihn aus dem hauptberuflichen Dienst. Wir sind ihm von Herzen dankbar für seinen Dienst über so viele Jahrzehnte. Kaum jemand kann einschätzen, wie umfangreich und facettenreich die Tätigkeit eines Bezirkskantors ist und wie viel Herzblut nötig ist, um diese Aufgabe so auszufüllen, wie Günther Löw sie ausgefüllt hat. Er hat seinen Dienst mit großer Treue, Bescheidenheit, Zuverlässigkeit, Präzision und Beharrlichkeit ausgeübt. Dass er mit seiner ganzen Familie auch in der Gemeinde gelebt hat, empfanden wir als großes Glück. Bei vielen Konzerten und zu den großen Festen unterstützten ihn seine Frau und seine Kinder musikalisch.

Als Teil seines Dienstauftrages übernahm Ruth Löw, selbst ausgebildete hauptberufliche Kantorin, die Leitung des Mössinger Kinderchors „Chörle“. Eine große Zahl von Singspielen und Musicals hat sie in dieser Zeit mit mehreren Generationen von Kindern aufgeführt. Beim Festgottesdienst werden natürlich die von Ehepaar Löw geleiteten Chöre mitwirken: Mössinger Kantorei, Vokalensemble, Kinderchor „Chörle“ zusammen mit Instrumentalisten. Im Anschluss an den Gottesdienst laden wir die ganze Gemeinde und viele Gäste herzlich zu einem Stehempfang ein. Wir haben Ehepaar Löw viel zu verdanken und wünschen für die kommende Zeit des Ruhestands alles Gute und Gottes Geleit. Gleichzeitig hoffen wir, dass sie uns zu gelegentlichen Vertretungsdiensten erhalten bleiben.

Joachim Rieger

Angedacht

Leben aus der Fülle

Dieser Oktobergemeindebrief ist wieder mal unglaublich. So viele Themen, Veranstaltungen und Ankündigungen, die da in den letzten Wochen in die Redaktion gemailt wurden – da erschlägt einen die Aufgabe, das alles zu sortieren und zu gliedern, beinahe.

Einige Abschiede gibt es und Neuanfänge; einen Blickpunkt, der uns im Redaktionskreis sehr am Herzen lag, weil gerade wieder so oft polarisiert und gespalten wird; Musik in Hülle und Fülle; Kinderbibeltage und noch viel mehr. Dieser Oktober ist gemeindlich beinahe so üppig wie die Natur in diesem Jahr.

Leben aus der Fülle – unsere Gemeinde lehrt mich in ihrer Vielfalt und Weite immer wieder neu das Staunen. Was ist nicht alles schon aus ihr heraus gewachsen: Mission im 19. Jahrhundert, die Kindergartenarbeit in Mössingen, eine große, vielfältige Diakoniestation, die Schulen am Firstwald, Beiträge zu Glaube, Bibel und Bildung genauso wie zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung – und dann die Vielfalt der Kirchenmusik: Im vom Boden her ja kargen und steinigen Steinlachtal steckt eine unglaubliche Energie, die immer wieder neu geistliche Blüte und Frucht erbringt.

An Erntedank denken wir meist zuerst an Altäre und Erntegaben und danken Gott dafür. Aber eigentlich gilt das alles doch noch viel umfassender, denn letztlich kommt alles, wirklich alles, was wir haben und sind, von Gott her. „Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade“ heißt es im Johannesevangelium (1,16). Grund genug also, Gott für alles zu danken und sich daran zu freuen – und auch, unseren Blick immer wieder selbst zu hinterfragen und die Fülle, die wir empfangen haben, mit anderen zu teilen.

Auch hierüber bin ich gerade zurzeit froh, wenn ich unsere Gemeinde und unsere Stadt insgesamt anschaue: Es gibt hier eine sehr gute Kultur des Miteinanders gerade auch in der Fülle der Kulturen und Traditionen, die sich hier begegnen. Respekt voreinander ist hier in hohem Maße vorhanden und das ist gut so, denn das ist ein wichtiges Zeichen gegen Hass und Spaltung und für ein gutes Zusammenleben.

All das kommt von Gott. Er gibt Saat, lässt wachsen und schenkt Ernte – gerade dieses Jahr voller Obst einerseits und voller Trockenheit andererseits hat uns dies wieder deutlich vor Augen gemalt.  Es erinnert uns als Christen damit an das, was Jesus ebenfalls im Johannesevangelium gesagt hat: „Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5).

So weist uns die Fülle in Schöpfung und Gemeinde wieder an den, der die Fülle ist und führt zum Lob Gottes. Und das Bild des Weinstocks passt für mich gut, zeigt es doch üppig, wieviel prächtige Frucht aus scheinbar karger Pflanze gedeihen kann – wenn sie gut verwurzelt ist.

 Einen sonnigen, erfüllten Oktober wünscht Ihr und euer Pfarrer 

Uwe Braun-Dietz