Händel: Der Messias

Letztes Konzert mit Günther Löw als Bezirkskantor

Sonntag, 14. Oktober, 18 Uhr, Peter-und-Paulskirche Mössingen.

Der Messias ist ein Oratorium, beruhend auf Bibeltexten in einer Zusammenstellung von Charles Jennens, einem Musikliebhaber, den Händel kannte.

Jennens schrieb einem Freund: „Händel sagt, er werde nächsten Winter nichts komponieren, aber ich hoffe, ihn dazu zu überreden, eine weitere, von mir zusammengestellte Bibeltext-Sammlung zu vertonen. Ich hoffe, dass er sein ganzes Talent darauf verwenden wird, damit diese Komposition alle seine früheren Kompositionen übertreffen möge“. Etwa zur gleichen Zeit wurde Händel vom irischen Vizekönig eingeladen, wenig bekannte Werke vorzustellen. Händel widmete sich daraufhin - geradezu in einem Schaffensrausch - der Vertonung des gewaltigen Stoffes. Händel beschrieb es so: „Ich glaubte den Himmel offen und den Schöpfer aller Dinge selbst zu sehen“.

Das Werk wurde im Sommer 1741 innerhalb von 3 Wochen komponiert. Zu Jennens Ärger führte Händel den Messias dann aber zunächst nicht in London auf, sondern nahm ihn mit auf die Konzertreise nach Dublin, wo er am 13. April 1742 eine triumphale Uraufführung erlebte – als Benefizkonzert für mehrere karitative Organisationen. Erst nach dem Erfolg des Werkes auch in London bei der denkwürdigen Aufführung im Mai 1750 als Benefizkonzert für das Londoner Waisenhaus hat sich eine gewisse Aufführungstradition entwickelt. König Georg II. war bei der Aufführung vom „Halleluja“ so ergriffen, dass er sich unwillkürlich erhob und bis zum Satzende stehen blieb.

Das Werk umfasst in drei Teilen die christliche Heilsgeschichte, beginnend mit den alttestamentlichen Prophezeiungen von Propheten wie Jesaja, das Leben Jesu, seine Geburt, seinen Kreuzestod, die Auferstehung und das erhoffte zweite Kommen. Wenngleich das Leben Jesu in den Evangelien des Neuen Testaments geschildert wird, greift der Text des Oratoriums überwiegend auf das Alte Testament zurück.

Ausführende sind die Mössinger Kantorei, Soli: Johanna Pommranz, Julia Werner, Philipp Nicklaus und Daniel Gloger. Es spielt das durch Bläser erweiterte Collegium Illustre, Tübingen. Konzertmeisterin ist Mirjam Haupt.

Die Leitung hat Günther Löw.

Eintritt VVK: 15 €, Schüler 5 € / Abendkasse 17 € / 7 €; Familien: 30 €.

Vorverkauf im „Weltladen“ Martin-Luther-Kirche, in der „Bücheroase“ Falltorstraße und im „s‘Lädle Trautmann“ in Belsen.

Öffentliche Hauptprobe: Sa 13.10., 17 Uhr Peter-und-Paulskirche Mössingen.

Eintritt frei – Spenden erbeten.

Angedacht

Leben aus der Fülle

Dieser Oktobergemeindebrief ist wieder mal unglaublich. So viele Themen, Veranstaltungen und Ankündigungen, die da in den letzten Wochen in die Redaktion gemailt wurden – da erschlägt einen die Aufgabe, das alles zu sortieren und zu gliedern, beinahe.

Einige Abschiede gibt es und Neuanfänge; einen Blickpunkt, der uns im Redaktionskreis sehr am Herzen lag, weil gerade wieder so oft polarisiert und gespalten wird; Musik in Hülle und Fülle; Kinderbibeltage und noch viel mehr. Dieser Oktober ist gemeindlich beinahe so üppig wie die Natur in diesem Jahr.

Leben aus der Fülle – unsere Gemeinde lehrt mich in ihrer Vielfalt und Weite immer wieder neu das Staunen. Was ist nicht alles schon aus ihr heraus gewachsen: Mission im 19. Jahrhundert, die Kindergartenarbeit in Mössingen, eine große, vielfältige Diakoniestation, die Schulen am Firstwald, Beiträge zu Glaube, Bibel und Bildung genauso wie zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung – und dann die Vielfalt der Kirchenmusik: Im vom Boden her ja kargen und steinigen Steinlachtal steckt eine unglaubliche Energie, die immer wieder neu geistliche Blüte und Frucht erbringt.

An Erntedank denken wir meist zuerst an Altäre und Erntegaben und danken Gott dafür. Aber eigentlich gilt das alles doch noch viel umfassender, denn letztlich kommt alles, wirklich alles, was wir haben und sind, von Gott her. „Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade“ heißt es im Johannesevangelium (1,16). Grund genug also, Gott für alles zu danken und sich daran zu freuen – und auch, unseren Blick immer wieder selbst zu hinterfragen und die Fülle, die wir empfangen haben, mit anderen zu teilen.

Auch hierüber bin ich gerade zurzeit froh, wenn ich unsere Gemeinde und unsere Stadt insgesamt anschaue: Es gibt hier eine sehr gute Kultur des Miteinanders gerade auch in der Fülle der Kulturen und Traditionen, die sich hier begegnen. Respekt voreinander ist hier in hohem Maße vorhanden und das ist gut so, denn das ist ein wichtiges Zeichen gegen Hass und Spaltung und für ein gutes Zusammenleben.

All das kommt von Gott. Er gibt Saat, lässt wachsen und schenkt Ernte – gerade dieses Jahr voller Obst einerseits und voller Trockenheit andererseits hat uns dies wieder deutlich vor Augen gemalt.  Es erinnert uns als Christen damit an das, was Jesus ebenfalls im Johannesevangelium gesagt hat: „Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5).

So weist uns die Fülle in Schöpfung und Gemeinde wieder an den, der die Fülle ist und führt zum Lob Gottes. Und das Bild des Weinstocks passt für mich gut, zeigt es doch üppig, wieviel prächtige Frucht aus scheinbar karger Pflanze gedeihen kann – wenn sie gut verwurzelt ist.

 Einen sonnigen, erfüllten Oktober wünscht Ihr und euer Pfarrer 

Uwe Braun-Dietz