Benefizkonzert an der Weimer-Orgel der Peter-und-Paulskirche

Die Kunst der Fuge in der Fassung des Erstdruckes

Am Sonntag, 15. Juli, erklingt um 20.00 Uhr in der Peter-und-Paulskirche eines der großen Werke, mit denen sich Johann Sebastian Bach bis in seine letzten Lebenswochen beschäftigt hat: Die Kunst der Fuge, eine Sammlung von Fugen und Kanons, deren Besonderheit darin liegt, dass allen darin enthaltenen Sätzen ein gemeinsames Grundthema zugrunde liegt. Die Komposition hat bis heute die Aura des Geheimnisvollen, des Rätselhaften und Verborgenen nicht verloren.

Im Konzert erklingt die selten zu hörende Gesamtfassung des Erstdrucks auf der Orgel, die heute neben dem Cembalo als die von Bach ursprünglich gedachte Instrumentenbesetzung anerkannt ist. Die Spielzeit beträgt mit einer Pause ca. 120 Minuten. „Ich glaube, dass das einzigartige Werk auf der Orgel so abwechslungsreich und fesselnd dargestellt werden kann, dass die Zumutung von Länge und struktureller Komplexität einem besonderen Hörerlebnis nicht im Wege steht“. (Schäfer-Winter)

Der Cembalist Christian Rieger schreibt: ...Aufruhr und Beruhigung, Kraft, Verletzbarkeit, Behutsamkeit, Empfindsamkeit und vieles andere mehr. Vor allem aber eins: Poesie im Übermaß. "Gestern Kunst der Fuge gehört. Herrlich!! Ein Werk, das bisher für Mathematik gehalten wurde. Tiefste Musik!“ (Brief Alban Bergs an seine Frau Helene, 1928)

Thomas Schäfer-Winter studierte Kirchenmusik in Essen und an der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart bis zur A-Prüfung. Er ist Folkwangpreisträger der Essener Hochschule. Nach dem Abschluss des Studiums wurde er Bezirkskantor in Mössingen.

Studien in historischer Aufführungspraxis führten ihn an die Norddeutsche Orgelakademie zu Prof. Harald Vogel. Danach arbeitete er als Organist und Kantor in Kopenhagen und als Bezirkskantor in Stuttgart-Bad Cannstatt. Von 1998 bis 2001 war er Kirchenmusiker an Sankt Petri in Kopenhagen und studierte zugleich Cembalo bei Prof. Siegbert Rampe. Nach einem dreijährigen Venedig-Aufenthalt lebte er fünf Jahre in der Nähe von Salzburg und ist seit 2014 wieder in Stuttgart tätig.

Seit 1992 bekleidet er einen Lehrauftrag für künstlerisches Orgelspiel an der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen. Seine Konzerttätigkeit führt ihn in zahlreiche Städte des In- und Auslands.

Günther Löw

 

Angedacht

Zeit zum Pflügen?

Nein, keine Angst, es ist noch nicht Zeit zum Pflügen. Es dauert noch ein bisschen, bis das Korn reif ist zur Ernte. Danach erst werden die abgeernteten Felder umgepflügt und damit für eine neue Aussaat vorbereitet.

Doch im übertragenen Sinn kann in unserem Leben durchaus Zeit zum Pflügen sein, denn Gott hält sich da nicht unbedingt an die Jahreszeiten. Der Monatsspruch für Juli erinnert uns daran: „Macht einen neuen Anfang wie der Bauer, der ein neues, ausgeruhtes Stück Land unter den Pflug nimmt! Es ist Zeit, dass ihr zu mir, dem HERRN, kommt und fragt, was ich will. Dann komme ich zu euch und werde Glück und Segen auf euch regnen lassen!“ (Hosea 10,12)

Eine Ermutigung für Menschen, die vor einem Neustart stehen: Mit Gottes Hilfe kannst du es wagen, eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen, eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Gemeinde zu übernehmen, einen neuen Lebensabschnitt zuversichtlich anzugehen.

Letztlich geht es in dem Wort aus dem Propheten Hosea allerdings darum, einen Neustart mit Gott zu wagen, Lebensphasen hinter sich zu lassen, in denen Gott keine oder nur eine geringe Rolle gespielt hat. Halbherzige Korrekturversuche bringen da nichts. Ein bisschen mehr Gott, ein bisschen mehr Glauben, ein bisschen mehr Kirche wären zu wenig. Ein Neustart ist angesagt, ehrlich zu fragen, was Gott will und dann auch mutig die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Gott stellt uns gutes Land zur Verfügung. Das mühsame Pflügen und Aussäen wird von Erfolg gekrönt sein, denn wir werden Gottes Segen erleben, die Saat wird wachsen und wir werden ernten können. Dabei geht es nicht um den schnellen Erfolg, sondern um ein Leben, das Frucht bringt – für Gott und für die Menschen.

Zeit zum Pflügen? Vielleicht ist bei Ihnen gerade tatsächlich die Zeit zum Pflügen von etwas Neuem gekommen. Dann wünsche ich Ihnen dazu Mut und Gottes Segen.

Ihr Pfarrer

Joachim Rieger