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Mössingen - Kirche mittendrin
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Kino und Kirche Juni

The Zone of Interest

(USA, England und Polen 2023, 106 Minuten, ab 12 J)

Freitag, 28. Juni, 20.15 Uhr, Lichtspiele Höfgasse

In den 1940er-Jahren bewohnt die Familie des KZ-Kommandanten Rudolf Höß unweit des Lagers in Auschwitz ein Haus mit Garten. Als Höß versetzt werden soll, droht das Familienidyll zu zerbrechen. Seine Frau weigert sich, ihr „Traumhaus“ zu verlassen. Das Historiendrama fußt auf dem gleichnamigen Roman von Martin Amis und fokussiert auf der Perspektive von Menschen, die als unbeteiligte Zuschauer am Rande des Genozids stehen.

Eindrucksvoll und mit scharfem Blick vermittelt Regisseur Jonathan Glazer die Banalität des Bösen und das Grauen des Holocausts, ohne es explizit zu zeigen. Den Horror, das unvorstellbare Grauen bildet er allein über die donnernde, zischende, brachiale Tonebene, über die Rauchschwaden und über kleine Details ab.

Ein formal und inhaltlich radikaler Film mit zwei herausragenden Darstellern in den Hauptrollen, der derzeit für 5 Oscars nominiert ist und auf den Filmfestspielen in Cannes bereits mit dem Preis der Jury sowie dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet wurde.

Angedacht

Der segnende Christus

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Sie ist klein und doch unübersehbar: Seit Ende letzten Jahres hängt über der Kirchentür der Martin-Luther-Kirche eine nur 24x28 cm große Bronzeplastik. Sie stammt von Vinzenz Schmidt, einem Künstler aus Wilsdruff bei Dresden und wurde uns von einem treuen Gemeindeglied gespendet.

Wie so vieles in der Martin-Luther-Kirche fügt sich auch diese Skulptur in den Reigen der geistlichen Kunstwerke ein, die einen großen, staunenswerten Gesamtbogen bilden.

Kommt jemand in die Kirche, so nimmt er zuerst das große, faszinierende Lichtkunstwerk wahr: die Kirchenfenster von Rudolf Yelin. Sie dominieren den Kirchenraum und prägen seine Atmosphäre maßgeblich. Die Gemeinde blickt auf die Geschichte Jesu, die stark abstrahiert dort abgebildet ist. Die Menschen sitzen dabei im Halbkreis um den ebenfalls hochsymbolischen runden Altar. Darauf das Altarkreuz des   Künstlers  Lutz  Ackermann, in dem sich die gesamte geistliche Energie des Raumes bündelt: Kreuz und Auferstehung Jesu und paulinische Theologie gewinnen im rostigen Kreuz Gestalt. Durch den löchrigen Kreuzkorpus und den vom Künstler dahinter angebrachten Ring der Auferstehung Jesu schaut die Gemeinde hindurch auf das Licht der Hoffnung und des neuen, himmlischen Jerusalem. Dieses strahlt ihr vom Mittelfenster aus entgegen – was für eine atemberaubende künstlerisch-theologische Botschaft!

All diese Elemente wurden nicht bewusst so geplant, sondern haben sich durch die Jahre und Jahrzehnte hindurch in all den Veränderungen innerhalb dieses Gotteshauses wundersam und unvorhersehbar zusammengefügt. Das geht bis hin zur Höhe des Altarkreuzes. Diese entspricht nämlich auf den Millimeter (!) genau dem Radius des Altars, obwohl dieser zuvor nicht gemessen wurde und der Künstler die Kirche überhaupt nicht kannte. Bei Kirchenführungen stehen Menschen, wenn ich ihnen das alles zeige, meist kopfschüttelnd am Altar und ich frage dann: „Wo endet Zufall und wann beginnt Fügung?“ 

Nun auch noch der segnende Christus. Im gleichen Material und gleicher Optik gearbeitet wie Kreuz und Altarleuchter, schwebt er regelrecht innen über der Gottesdienstraumtür und verbindet sie dadurch direkt mit dem Altar.

Dort ist das Altarkreuz leer. Die Nägel liegen an dessen Fuß und weisen damit auf  den  Satz  hin:  „Er  ist nicht hier.  Er  ist auferstanden, wie er gesagt hat. Er geht vor euch hin nach Galiläa“ (Mt 28,6f).

Mit diesen Worten verkündigen die Engel den Frauen am Grab die frohe Osterbotschaft. Und so machen sich Jesu Jüngerinnen und Jünger nach Ostern auf, um dort von Jesus gesegnet und beauftragt zu werden, in alle Welt zu gehen. An Himmelfahrt verheißt er ihnen Gottes Geist und an Pfingsten gründet dieser die Kirche.

Wenn Menschen nun seit einem halben Jahr aus der Martin-Luther-Kirche hinausgehen, geschieht symbolisch sichtbar genau das Gleiche: Dem Blick auf Kreuz und Auferstehung am Altar folgt beim Hinausgehen das Bild des von oben auf sie blickenden Christus. Alle begegnen dem Auferstandenen und gehen unter seinen segnenden Armen hindurch hinaus, begleitet durch ihn.

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Sein Auftrag „Gehet hin in alle Welt!“ und sein Zuspruch an uns: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,19-20) wird sichtbar und hat in der kleinen Skulptur Gestalt gewonnen.

Wie das letzte, noch fehlende Glied fügt sich diese kleine Bronzeplastik damit in die Kette der tiefgründigen Symbole ein, die uns in dieser Kirche das Evangelium vor Augen malen. Als sei auch sie vor etwa dreißig Jahren unwissend für diese Kirche geschaffen worden, genauso wie der heute rostige Korpus des Altarkreuzes vor mehreren hundert Jahren.

Der ist nämlich vermutlich etwa 500 Jahre alt und war ursprünglich Teil des Türbeschlags einer Klostertür. Wenn Jesus im Johannesevangelium einmal von sich sagt: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden.“ (Joh 10,9), dann ergibt sich hierdurch ein weiterer, staunenswerter Bezug zwischen Altar und Kirchentür.

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So bildet für mich dieser kleine, segnende Christus eine Art i-Tüpfelchen innerhalb der erstaunlichen Fügung Gottes für dieses Gotteshaus mitten in Mössingen. Jeder, der sieht und weiß und versteht, wie sich all diese Dinge zusammenfügen, schüttelt staunend den Kopf und wundert sich und mancher denkt mit Psalm 92,6: „Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.“

Mit bleibendem Staunen über Gottes Werke grüße ich Sie und euch und wünsche allezeit offene Augen und Sinne und Herzen für Gottes vielfältige und vielgestaltige Wunder, die uns allerorten umgeben.

Ihr und euer Pfarrer

Uwe Braun-Dietz