Kooperation Kirchengemeinde + FBS

„Goethehäusle“ wird Bildungshaus


Das Gemeindehaus in der Goethestraße 4 wird überall nur „Goethehäusle“ oder kurz „Gö“ genannt. Seit 45 Jahren ist es Teil unserer Kirchengemeinde. Die letzten dreißig Jahre diente es als Haus für die Jugendarbeit – oder sollte es zumindest. Seit über zehn Jahren findet jedoch mit Ausnahme der Teenykirche keine Jugendarbeit mehr dort statt und das Haus ist nur wenig genutzt.

Umgekehrt gibt es im Haus nun schon seit 18 Jahren die Kindergruppe „Mini-Maxi-Kunterbunt“ der Familien Bildungsstatte Tübingen (FBS) für Kleinkinder bis drei Jahre. Weit über hundert „Zwerge“ haben in dieser Zeit im Saal im Erdgeschoss schon erste Schritte zur Vorbereitung auf den Kindergarten gemacht und die Gruppe gehört fest zu den Angeboten frühkindlicher Erziehung in Mössingen.

Die vom Evangelischen Kirchenbezirk unterstützte FBS mit Sitz in der Villa Metz in Tübingen will nun zum September einen Großteil ihres Mössinger Kursprogrammes in dieses Haus verlegen und der Kirchengemeinderat hat dem im Frühjahr zugestimmt.

Die Kooperation ist ein Glücksfall für beide Seiten: Die FBS hat mit dem neuen Standort - bislang war sie in der Tannenstraße in Bästenhardt – eine Anlaufstelle mitten in Mössingen. Sie ist präsent in der Kernstadt und damit auch sichtbarer in der Öffentlichkeit. Attraktive Gruppenräume und ein eigenes Büro erweitern ihre Möglichkeiten. Parkplätze gibt es genug und der neue Standort kann auf einer langjährig erprobten Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde aufbauen.

Für unsere Kirchengemeinde bedeutet der Standortwechsel der FBS umgekehrt eine Neubelebung des Hauses und eine weitere Stärkung des Areals an der Martin-Luther-Kirche in der öffentlichen Wahrnehmung. Darüber hinaus erfährt das Profil der Kirche im Bereich Bildung eine enorme Weiterentwicklung.

Durch feste Nutzungsentgelte können überdies längst überfällige Renovierungsarbeiten nun Stück für Stück angegangen werden. So wurde als erstes der Gruppenraum im Zwischengeschoss grundlegend erneuert und für Kursangebote tauglich gemacht.

Alles in allem also eine Kooperation mit viel Potential für beide Seiten, zumal wir als Kirchengemeinde das Haus weiterhin an Wochenenden und zwei Nachmittagen nutzen können.

Es bleibt nur ein Problem: Die Bezeichnung „Goethehäusle“ passt einfach nicht mehr. Eigentlich hat sie ja noch nie gepasst, denn zum einen war Goethe niemals hier und zum anderen ist das Gebäude alles andere als ein „Häusle“.

Der Kirchengemeinderat hat deshalb beschlossen, dass das Haus künftig „Evangelisches Bildungshaus Goethestraße“ heißen soll, oder kürzer „Bildungshaus“.

Die Namensänderung macht deutlich: Auch wenn es von außen momentan noch nicht anders aussieht: Es steckt jetzt was anderes drin. Hoffen wir, dass es rege und gern angenommen wird.

Uwe Braun-Dietz

Neues Bildungshaus

Start mit Gottesdienst

Mit Beginn des neuen Schuljahres nimmt die FBS ihre Kursarbeit im Bildungshaus Goethestraße auf. Um diesem Start einen offiziellen Rahmen zu geben, werden Mitarbeitende der FBS den Gottesdienst am Erntedankfest am 2. Oktober um 10.30 Uhr in der Martin-Luther-Kirche mitgestalten. Im Anschluss wird das Haus geöffnet sein und Interessierte können sich vor Ort ein Bild von den Räumen machen.

 

FBS im Bildungshaus

Von „Baby“ bis „Zumba“

Im Wintersemester bietet die FBS etliche Kurse in Mössingen an. Im Bildungshaus Goethestraße finden davon folgende statt:

 

  • Babymassage plus für Mütter/Väter und Babys ab ca. 2 Monaten
  • BeSS-Kurse für Kinder im ersten Lebensjahr
  • Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern
  • Feldenkrais®
  • Fit mit Babybauch
  • Geburtsvorbereitung kompakt
  • Mama-Baby-Fitness Für Mütter mit Kindern
  • Mini-Maxi-Kunterbunt - betreute Spielgruppe für Kinder ab 12 Monaten
  • Rückbildungsgymnastik am Abend
  • Rundum fit - Ganzkörperkräftigung Präventionskurs
  • STÄRKE-Projekt: offener Eltern-Kind-Treff
  • Yoga in der Schwangerschaft
  • Zumba®

 

Alle Einzelheiten zu den Kursen sowie die Termine finden sie unter https://www.fbs-tuebingen.de/fbs-angebote/

Angedacht

1G-Netz

Auf einem Ausflug erzählte uns eine Freundin, wie sie bei der Rückkehr aus dem Urlaub von ihrer Mutter mit heftigen Vorwürfen empfangen wurde: „Dein Vater wäre fast gestorben, und du warst nicht zu erreichen!“ Das war vor über 30 Jahren, als die Urlaubspostkarten meist erst ankamen, wenn man selbst zu Hause war. In Zeiten von 5G kaum mehr vorstellbar. Auch im Urlaub werden jeden Tag oft mehrmals Nachrichten und Bilder verschickt, sind Kinder für ihre Eltern erreichbar.

Für manche ist es ein Gefühl der Erleichterung zu wissen, auch an den fernsten Urlaubszielen mit der Familie verbunden zu sein. Bei anderen kann es auch zu Unbehagen oder sogar zu Ärger führen, wenn der Eindruck entsteht, immer kontrolliert zu werden: „Wo bist du? Du hast dich noch nicht gemeldet? Hast du auch nicht vergessen …? Denkst du daran …?“

 „Ob ich sitze oder stehe, du weißt es, du kennst meine Pläne von ferne. Ob ich tätig bin oder ausruhe, du siehst mich; von allen Seiten umgibst du mich. Fliege ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder zum Ende des Meeres, wo sie versinkt: auch dort lässt du mich nicht los.“

Diese Nachricht erreicht uns aus einer Zeit, als es noch kein Smartphone und keinen Funkmast gab, aber anscheinend ein weltweites 1G-Netz, denn hier ist jemand mit Gott verbunden und spricht mit diesem einen Gott. Das Netz Gottes umspannt dabei nicht nur alle bekannten und unbekannten, zugänglichen und unzugänglichen Orte und Ziele, sondern ebenso alle Zeiten – die Zeit vor meiner Geburt, meine Lebenstage einschließlich Urlaub und Ferien, ebenso wie die Zeit nach meinem Tod.

Was lösen diese Gedanken bei uns aus? Ärger oder Erleichterung? Druck oder Befreiung?

Im digitalen Netz haben wir die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen, einfach auszuschalten und auszuspannen.  Der Text aus der Bibel, der in Psalm 139 steht, lässt uns spüren, dass das in der Verbindung mit Gott nicht geht. Gott lässt sich nicht ausgrenzen. Er sieht und hört, er weiß und versteht, auch wenn ich mich nicht melde. Das Gefühl von Unbehagen oder Ärger ist also durchaus nachvollziehbar.

Trotzdem hält sich der Sprecher dieser Worte nicht damit auf, jedes Sandkörnchen am Strand aufzuspüren. Für ihn ist entscheidend, dass dieses Netz nie überlastet ist und nie zusammenbricht. Die zuverlässige Verbindung mit Gott gibt ihm Halt und Sicherheit. Das macht ihn frei, aufzubrechen und neue Wege zu gehen.

Am Ende muss er nicht mit Vorwürfen rechnen, sondern darf sich auf das Leben freuen.

Ihr Pfarrer

Matthias Krämer