PV-Anlage an der MLK in Betrieb

Eigener Strom für viele

Noch vor dem Ukrainekrieg hat der Kirchengemeinderat die Installation einer Photovoltaikanlage auf der Martin-Luther-Kirche beschlossen, um durch Ökostrom einen Beitrag zur Klimaneutralität zu leisten. Trotz Lieferengpässen konnte die Anlage im Juni montiert und im Juli in Betrieb genommen werden. Mit einer installierten Leistung von 30 kWp wird die Anlage jährlich künftig über 25000 kWh Strom produzieren.

Der Großteil davon wird momentan ins Mössinger Stromnetz eingespeist. Wir wollen dadurch nicht nur einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung, sondern auch zur Energieunabhängigkeit leisten, denn der Ukrainekrieg hat auf erschreckende Weise sichtbar gemacht, wie abhängig und damit erpressbar unsere freiheitliche Gesellschaft im Energiesektor ist.

Wir freuen uns deshalb sehr, dass dieses Herzensprojekt nun umgesetzt werden konnte. Die Investition von ca. 45000,- € hat die Kirchengemeinde komplett aus eigenen Mitteln getätigt. Langfristig soll sich die PV-Anlage finanziell amortisieren. Hierfür haben die bisher eingegangenen Spenden von ca. 4800,- € aus dem Gemeindebeitrag (4200,- €) und dem Heart Rose Cafe (600,- €) geleistet. Herzlichen Dank allen Spenderinnen und Spendern.

Angedacht

1G-Netz

Auf einem Ausflug erzählte uns eine Freundin, wie sie bei der Rückkehr aus dem Urlaub von ihrer Mutter mit heftigen Vorwürfen empfangen wurde: „Dein Vater wäre fast gestorben, und du warst nicht zu erreichen!“ Das war vor über 30 Jahren, als die Urlaubspostkarten meist erst ankamen, wenn man selbst zu Hause war. In Zeiten von 5G kaum mehr vorstellbar. Auch im Urlaub werden jeden Tag oft mehrmals Nachrichten und Bilder verschickt, sind Kinder für ihre Eltern erreichbar.

Für manche ist es ein Gefühl der Erleichterung zu wissen, auch an den fernsten Urlaubszielen mit der Familie verbunden zu sein. Bei anderen kann es auch zu Unbehagen oder sogar zu Ärger führen, wenn der Eindruck entsteht, immer kontrolliert zu werden: „Wo bist du? Du hast dich noch nicht gemeldet? Hast du auch nicht vergessen …? Denkst du daran …?“

 „Ob ich sitze oder stehe, du weißt es, du kennst meine Pläne von ferne. Ob ich tätig bin oder ausruhe, du siehst mich; von allen Seiten umgibst du mich. Fliege ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder zum Ende des Meeres, wo sie versinkt: auch dort lässt du mich nicht los.“

Diese Nachricht erreicht uns aus einer Zeit, als es noch kein Smartphone und keinen Funkmast gab, aber anscheinend ein weltweites 1G-Netz, denn hier ist jemand mit Gott verbunden und spricht mit diesem einen Gott. Das Netz Gottes umspannt dabei nicht nur alle bekannten und unbekannten, zugänglichen und unzugänglichen Orte und Ziele, sondern ebenso alle Zeiten – die Zeit vor meiner Geburt, meine Lebenstage einschließlich Urlaub und Ferien, ebenso wie die Zeit nach meinem Tod.

Was lösen diese Gedanken bei uns aus? Ärger oder Erleichterung? Druck oder Befreiung?

Im digitalen Netz haben wir die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen, einfach auszuschalten und auszuspannen.  Der Text aus der Bibel, der in Psalm 139 steht, lässt uns spüren, dass das in der Verbindung mit Gott nicht geht. Gott lässt sich nicht ausgrenzen. Er sieht und hört, er weiß und versteht, auch wenn ich mich nicht melde. Das Gefühl von Unbehagen oder Ärger ist also durchaus nachvollziehbar.

Trotzdem hält sich der Sprecher dieser Worte nicht damit auf, jedes Sandkörnchen am Strand aufzuspüren. Für ihn ist entscheidend, dass dieses Netz nie überlastet ist und nie zusammenbricht. Die zuverlässige Verbindung mit Gott gibt ihm Halt und Sicherheit. Das macht ihn frei, aufzubrechen und neue Wege zu gehen.

Am Ende muss er nicht mit Vorwürfen rechnen, sondern darf sich auf das Leben freuen.

Ihr Pfarrer

Matthias Krämer