Psychisch kranke Jugendliche

Lesung aus „Vögel im Kopf“

Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind nach wie vor ein Tabuthema.  Doch wie lebt es sich mit einer Depression, mit Zwangshandlungen, Angst und Panikattacken, Ess- und Magersuchtstörung?
Der Förderverein der Tübinger Kinder- und Jugendpsychiatrie Schirm e.V. hat junge Patientinnen und Patienten, sowie ihr Umfeld nach ihren Geschichten gefragt.

Entstanden ist ein bewegendes Buch über das Leben mit einer seelischen Erkrankung, über den Alltag in der Psychiatrie und über die Kraft der Zuversicht.

An diesem Abend werden einige Texte aus dem Buch vorgestellt. Herausgeber des Buches und Betroffene sprechen über die Erfahrung einer psychischen Krankheit, sowie über Möglichkeiten des Umgangs und der Gestaltung eines selbstbestimmten und erfüllenden Lebens. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen um Verständnis werben, Mut machen und ein Zeichen gegen die Stigmatisierung psychischer Krankheiten setzen. Umrahmt wird der Abend von einigen Liedern einer Autorin des Buches.

Nachdem der Januartermin pandemiebedingt leider abgesagt werden musste, findet die Lesung aus dem Buch „Vögel im Kopf“ mit anschließender offener Gesprächsrunde nun am Dienstag, 10. Mai um 19.00 Uhr in der Martin-Luther-Kirche statt.

Der Abend findet als Kooperationsveranstaltung des Buchladens Mössingen und unserer Kirchengemeinde statt. Eintritt frei.

Angedacht

Liebe bleibt, Leben siegt.

Ukraine, Äthiopien, Myanmar – in über 20 Ländern der Welt gibt es Krieg und Kämpfe, herrscht Tod und unsägliches Leid. Bei uns kommen Flüchtlinge an, die Preise steigen.

Aber mir geht es gut. Ich bin versorgt. Was kann ich also sagen? Ich lasse einen anderen sprechen. Er wird 1913 in München geboren und wird Fritz genannt, trägt den Frieden in seinem Namen (Friedrich).

Diesen Namensteil behält er bei, als er wegen seiner jüdischen Abstammung verfolgt wird und nach Israel flieht. Er nennt sich jetzt Schalom Ben-Chorin, Friede, Sohn der Freiheit.

Obwohl der 2. Weltkrieg tobt und eine blutige Spur durch Europa zieht, gibt er die Hoffnung auf Frieden nicht auf. Er liest nicht nur die schrecklichen Nachrichten, er liest auch die Bibel. Er sieht nicht nur die Bilder der Vernichtung, er sieht auch einen Mandelbaum vor seinem Fenster, der im Frühling zu blühen beginnt.

"Das Wort des Herrn erging an mich: Was siehst du, Jeremia? Ich antwortete: Einen Mandelzweig. Da sprach der Herr zu mir: Du hast richtig gesehen; denn ich wache über mein Wort und führe es aus." (Jeremia 1,11+12)

Mitten im Krieg, trotz aller Verzweiflung und Zweifel schreibt Schalom Ben-Chorin 1942 ein Gedicht gegen Hass und Tod. Als Todesstille und Sprachlosigkeit sich ausbreiten, hört er Gott und findet Vertrauen, findet Worte für die Liebe und das Leben.

Etwa 40 Jahre später bekommt das Gedicht eine Melodie. Von Deutschland aus breitet sich das Lied auf der ganzen Welt aus und wird in viele Sprachen übersetzt und gesungen – auch in Russisch. Und weitere 40 Jahre später bin ich froh über diesen Fingerzeig, dass die Liebe bleibt, dass das Leben siegt.

Ihr Pfarrer

 

Matthias Krämer

 

 

Freunde, dass der Mandelzweig

Wieder blüht und treibt,

Ist das nicht ein Fingerzeig,

dass die Liebe bleibt?

 

Dass das Leben nicht verging,

Soviel Blut auch schreit,

Achtet dieses nicht gering,

In der trübsten Zeit.

 

Tausende zerstampft der Krieg,

Eine Welt vergeht.

Doch des Lebens Blütensieg

Leicht im Winde weht.

 

Freunde, dass der Mandelzweig

Wieder blüht und treibt,

Ist das nicht ein Fingerzeig,

dass die Liebe bleibt?