Café Schüle: wenn im Alter der Partner/die Partnerin stirbt

„So viele Jahre ohne Dich...“

Am Dienstag, 20. September öffnet das Café Schüle wieder seine Pforten. Im Gemeindehaus Mittelgasse gibt es ab 14.30 Uhr Kaffee und Kuchen.

Zu Gast ist diesmal die Gerontologin Ulla Reyle mit dem Thema: "So viele Jahre ohne Dich - wenn im Alter der Partner oder die Partnerin stirbt".

Die Verwitwung gehört in einer Gesellschaft des langen Lebens zu den erwartbaren Lebensereignissen und betrifft vor allem Frauen. Statistisch gesehen leben Frauen die letzten 10 Jahre ihres Lebens allein. Dem Tod des Partners ist oft eine lange Zeit der Unterstützung und Pflege vorhergegangen.

Wie können sich Frauen und Männer innerlich und äußerlich auf diesen schmerzhaften Lebenseinschnitt einstellen?  Und wie können wir uns während und nach der Zeit der Trauer im Alleinleben so einrichten, dass das Leben wieder beziehungsreich und lebenswert wird?

Das Café Schüle wird auf jeden Fall bis Dezember 2022 geöffnet bleiben - sofern wir uns wegen der Pandemie treffen dürfen. Gegebenenfalls werden wir über die aktuelle Entwicklung im Amtsblatt informieren.

Wenn Sie das Team weiter verstärken möchten und Fragen haben, oder wenn Sie den Fahrdienst nutzen wollen, wenden Sie sich einfach an Marianne Geiger Tel. 1582 oder Gisela Müller Tel. 21611.

Angedacht

1G-Netz

Auf einem Ausflug erzählte uns eine Freundin, wie sie bei der Rückkehr aus dem Urlaub von ihrer Mutter mit heftigen Vorwürfen empfangen wurde: „Dein Vater wäre fast gestorben, und du warst nicht zu erreichen!“ Das war vor über 30 Jahren, als die Urlaubspostkarten meist erst ankamen, wenn man selbst zu Hause war. In Zeiten von 5G kaum mehr vorstellbar. Auch im Urlaub werden jeden Tag oft mehrmals Nachrichten und Bilder verschickt, sind Kinder für ihre Eltern erreichbar.

Für manche ist es ein Gefühl der Erleichterung zu wissen, auch an den fernsten Urlaubszielen mit der Familie verbunden zu sein. Bei anderen kann es auch zu Unbehagen oder sogar zu Ärger führen, wenn der Eindruck entsteht, immer kontrolliert zu werden: „Wo bist du? Du hast dich noch nicht gemeldet? Hast du auch nicht vergessen …? Denkst du daran …?“

 „Ob ich sitze oder stehe, du weißt es, du kennst meine Pläne von ferne. Ob ich tätig bin oder ausruhe, du siehst mich; von allen Seiten umgibst du mich. Fliege ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder zum Ende des Meeres, wo sie versinkt: auch dort lässt du mich nicht los.“

Diese Nachricht erreicht uns aus einer Zeit, als es noch kein Smartphone und keinen Funkmast gab, aber anscheinend ein weltweites 1G-Netz, denn hier ist jemand mit Gott verbunden und spricht mit diesem einen Gott. Das Netz Gottes umspannt dabei nicht nur alle bekannten und unbekannten, zugänglichen und unzugänglichen Orte und Ziele, sondern ebenso alle Zeiten – die Zeit vor meiner Geburt, meine Lebenstage einschließlich Urlaub und Ferien, ebenso wie die Zeit nach meinem Tod.

Was lösen diese Gedanken bei uns aus? Ärger oder Erleichterung? Druck oder Befreiung?

Im digitalen Netz haben wir die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen, einfach auszuschalten und auszuspannen.  Der Text aus der Bibel, der in Psalm 139 steht, lässt uns spüren, dass das in der Verbindung mit Gott nicht geht. Gott lässt sich nicht ausgrenzen. Er sieht und hört, er weiß und versteht, auch wenn ich mich nicht melde. Das Gefühl von Unbehagen oder Ärger ist also durchaus nachvollziehbar.

Trotzdem hält sich der Sprecher dieser Worte nicht damit auf, jedes Sandkörnchen am Strand aufzuspüren. Für ihn ist entscheidend, dass dieses Netz nie überlastet ist und nie zusammenbricht. Die zuverlässige Verbindung mit Gott gibt ihm Halt und Sicherheit. Das macht ihn frei, aufzubrechen und neue Wege zu gehen.

Am Ende muss er nicht mit Vorwürfen rechnen, sondern darf sich auf das Leben freuen.

Ihr Pfarrer

Matthias Krämer