Geistliche Impulse für den Alltag

Nahrung für Herz und Seele

 Viele kennen den Satz: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Er gehört fest zum Allgemeingut von Redewendungen und besagt dort, dass wir mehr sind als nur Essen und Trinken. Dass dieser Satz aus der Bibel stammt und von Jesus gesagt wurde, wissen nicht mehr alle und noch weniger kennen die zweite Satzhälfte, in der Jesus fortfährt: „…sondern von einem jedem Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ (Mt 4,4)

Jesus stellt der äußerlichen Nahrung für den Leib die Nahrung für Herz und Seele gegenüber. Menschsein ist für ihn viel mehr als nur Materielles. Zu wirklichen Menschen machen uns erst Worte und damit etwas völlig Immaterielles. So weiß jeder und jede, was es in uns auslöst, wenn jemand zum Beispiel sagt: „Ich mag dich!“

Gute Worte tun ganz generell gut. Gottes Worte ganz besonders, denn er hat Worte des Lebens für uns, die uns aufrichten, trösten und Mut und Hoffnung geben. 

Es war deshalb eines der wichtigsten Anliegen Martin Luthers, die Bibel zu übersetzen, um so Gottes Wort allen zugänglich zu machen. Darin lesen, es für sich zu hören und sich danach ausrichten – darum geht es, weil Gott mit uns redet und in Kontakt kommen will, jeden Tag neu.

Es gibt viele Möglichkeiten für tägliche „Rationen“. Ein seit bald 300 Jahren bestehender „Klassiker“ sind zum Beispiel die Tageslosungen der Herrnhuter Brüdergemeinde. Ein alttestamentlicher und ein neutestamentlicher Bibelspruch samt einer Liedstrophe oder ähnlichem als Wort für den Tag. 

Man kann sich aber auch Tag für Tag einen kurzen Abschnitt aus einem Buch der Bibel vornehmen, lesen und darüber nachdenken. Bibellesepläne – auch als App für Smartphones – gibt es zum Beispiel bei der Deutschen Bibelgesellschaft: https://www.die-bibel.de/bibeln/hilfen-zum-bibellesen/bibelleseplaene/

Darüber hinaus gibt es jedoch noch andere Möglichkeiten und Angebote, um Impulse für den Tag zu erhalten und geistliche Nahrung für Seele und Herz. Zwei davon möchten wir Ihnen hier vorstellen. Wenn solch ein Impuls in unserem Herzen ankommt, dann kann er uns manchmal lebenslang begleiten, sei es ganz direkt als Bibelwort oder auch in indirekter Form als geistlicher Text oder Gebet.

Zwei solche Lebensbegleiter haben wir ebenfalls abgedruckt als Anregung für Sie, Ihre eigenen Texte und Worte zu suchen und zu finden, denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jedem Wort, das aus dem Mund Gottes geht.

Uwe Braun-Dietz

Jeden Morgen eine E-Mail

Seelenfutter von Mandy

Ein gutes Restaurant, in dem es besonderes Essen gibt, empfiehlt man gern weiter. Aber der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein und so benötigt auch die Seele Nahrung. Ich bediene mich in diesem Bereich schon lange Zeit einer besonderen „Futterquelle“, die ich als sehr „genussvoll und sättigend“ empfinde und deshalb hier kurz „schmackhaft“ machen möchte.

Seit mehreren Jahren habe ich über die Webseite www.unendlichgeliebt.de  das kostenlose „Seelenfutter“ abonniert. „Zubereitet“ wird es täglich von Montag bis Freitag von Mandy, einer jungen Frau aus Berlin, die alles andere als ein leichtes Schicksal hatte, zum Glauben kam und seit 2009 als christliche Bloggerin obige Webseite betreibt.

Jeden Morgen habe ich das von ihr verfasste „Seeelenfutter“ in Form einer E-Mail in meinem Postfach, welches immer einen Impuls mit christlichem Hintergrund beinhaltet. Es beleuchtet einen Bibelspruch, ein Zitat, ein aktuelles Ereignis aus dem Weltgeschehen oder eine persönliche Begebenheit aus dem Leben der Verfasserin. Die „Portionen“ sind unterschiedlich und abwechslungsreich: mal schreibt sie kurz prägnant, mal länger und umfassender, oft sehr humorvoll, aber auch nachdenklich oder aufrüttelnd, immer aber eigentlich, wie es mir persönlich „am besten schmeckt: gut gewürzt“, soll heißen: unkonventionell, schnörkellos und absolut authentisch!

Übrigens muss das „Seelenfutter“ nicht abonniert werden – wer also „Hunger bekommen hat“, aber nicht täglich eine Mail erhalten, bzw. erstmal „kosten“ möchte, findet alle bisher erschienen Artikel (sozusagen „frisch gehalten“) im Beitrags-Archiv der Webseite. Guten Appetit!

Florian Kühnberger

Denkanstöße aus Hamburg

Andere Worte+andere Orte

Viele Menschen kennen den Adventskalender „Der andere Advent“. Der in Hamburg ansässige, von der nordelbischen Kirche vor knapp 25 Jahren gegründete Verein Andere Zeiten e.V. gibt ihn jedes Jahr heraus.

Inzwischen bietet er jedoch auch noch viele andere Denkanstöße für das ganze Jahr. Zur Fastenzeit, zu Pfingsten oder auch zum Urlaub gibt es Bücher, Karten und Zeitschriften.

Immer geht es dem Team dabei darum, andere Worte zu finden, Vordergründiges zu hinterleuchten, manches in ein anderes Licht zu stellen und Glaube und Spiritualität als Kraftquelle für unser Leben zu zeigen.

Seit einem Jahr gibt es auch eine App fürs Handy mit dem Namen „Andere Orte“. Dort findet man besondere Plätze, Bauwerke, Naturdenkmäler oder Kraftorte. Mitglieder der Community fotografieren und beschreiben sie und jede und jeder kann sie dann anschauen und aufsuchen.

Unsere Gegend wurde dort bislang im Vergleich zum Norden und Westen Deutschlands noch wenig „erschlossen“. Aber wer im Urlaub besondere Orte sucht, wird vielleicht fündig – und wer weiß, ob nicht bald auch hier im Südwesten mehr und mehr Menschen anderen dort ihre „Anderen Orte“ vorstellen. Einfach nur anmelden und los geht’s.

Adresse: www.andereorte.de.

Uwe Braun-Dietz

Lebensbegleiter 1

Lieblings-Bibelvers

„Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ (Psalm 91, 1+2)

Wenn mich jemand fragen würde, welche Verse zu meinen „Lieblingsbibelversen“ gehören, so wären diese beiden auf jeden Fall dabei.

Der 91. Psalm trägt die Überschrift „Unter Gottes Schutz“. Welch berührende Situation! Gott selbst will mich schützen. Egal in welcher Lage oder Lebensphase ich mich gerade befinde, Gott schützt mich. Ich kann mich ihm mit allem, was mich umtreibt, beschäftigt, freut und beunruhigt, anvertrauen.

Und ich muss gar nichts wirklich dafür tun, denn es reicht, wenn ich unter Gottes Schirm sitze. Ich muss keine Bergwanderung oder keinen Ausdauerlauf machen, um zu Gott zu kommen; muss keine kleinen oder großen Anstrengungen unternehmen. Es ist genug, in Gottes Nähe zu sein. Jeder hat wahrscheinlich schon einmal erlebt, wie angenehm ein Schirm ist, entweder bei Regen oder auch bei Sonnenschein. Wir dürfen unter Gottes Schirm Platz nehmen und unter seinem Schatten bleiben, ganz ohne Anstrengung dürfen wir uns in seiner Nähe aufhalten und sicher fühlen.

Im zweiten Vers zeigt das Bild der Burg deutlich, welch starken Rückhalt Gott mir bietet. Und auch in Phasen oder Situationen, in denen ich unsicher bin, ängstlich oder verzweifelt, darf ich auf unseren Gott hoffen.

Ich möchte noch eines meiner Lieblingslieder anschließen, das auch das Vertrauen zu und in Gott zum Ausdruck bringt: „Du bist mein Zufluchtsort“ (engl.: You are my hiding place”).

Du bist mein Zufluchtsort.

Ich berge mich in deiner Hand,

denn du schützt mich, Herr.

Wann immer mich Angst befällt,

traue ich auf dich.

Ja, ich trau auf dich,

und ich sage: „Ich bin stark

in der Kraft meines Herrn.“

(T+M: M. Ledner, dt.: Gitta Leuschner)

Petra Matt

 

Lebensbegleiter 2

Wie ein roter Faden

Herr! schicke, was du willst,

ein Liebes oder Leides;

Ich bin vergnügt, dass Beides

aus Deinen Händen quillt.

 

Wollest mit Freuden

und wollest mit Leiden

mich nicht überschütten!

Doch in der Mitten

liegt holdes Bescheiden.

(Eduard Mörike (1804-1875), deutscher Erzähler, Lyriker und Dichter)

Es liegt lange zurück, vielleicht 30 Jahre, oder mehr, da bekam ich eine Geburtskarte mit diesem Spruch von Elle, einer lieben Schulfreundin. Wie ein roter Faden begleitet mich dieses Gedicht seither durch meine Tage und es passt in jeder Lebenslage, ob positiv oder negativ.

Manchmal ist es nur der eine Satz: „Doch in der Mitten liegt holdes Bescheiden“, welcher mir in den Sinn kommt. Immer ist er hilfreich.

Vor ein paar Tagen habe ich bei einem Telefonat mit Elle ihr davon erzählt und auch sie konnte diese Verse sofort deklamieren. Sowas tut gut und bereichert eine 82-jährige Freundschaft.

Rosemarie Kühnberger

Angedacht

Besitz- verhältnisse geklärt

 

Ein anderer wird in seine Hand schreiben: "Dem HERRN eigen".

Jesaja 44,5

Vielleicht ist es Ihnen auch schon so ergangen: Sie haben etwas ausgeliehen, der Gegenstand ist in einer Ecke liegen geblieben, und jetzt wissen Sie nicht mehr, wem er gehört. Bei den Werkzeugen und Gartengeräten meines Schwiegervaters kann das nicht passieren, an den Holzstielen sind nämlich seine Initialen eingebrannt. So finden die Werkzeuge immer wieder zu ihrem Besitzer zurück.

In alttestamentlicher Zeit konnte einem Knecht der Name seines Herrn auf die Hand tätowiert werden. Damit waren die Besitzverhältnisse eindeutig dokumentiert.

Nun beschreibt der Prophet folgende Beobachtung: Gott kann einen Menschen so in seinen Bann ziehen, dass er freiwillig zu ihm gehören will und das auf irgendeine Art und Weise festmacht, z.B. durch ein öffentliches Ja oder eine Unterschrift. Wer zu Gott gehört, steht nun unter seinem Schutz, Gott achtet darauf, dass er nicht mehr verloren geht.

Liebe Gemeindemitglieder,

für diese Ausgabe des Gemeindebriefs hat mich mein Kollege Uwe Braun-Dietz gefragt, ob ich nicht etwas zum momento-Kalender schreiben möchte, aus dem ich bei Sitzungen immer wieder Andachten vorlese. Jedes Jahr schreibe ich eine oder zwei Andachten für diesen Kalender und bekomme dann jeweils ein paar Belegexemplare zugeschickt. Aufgabe der Autoren ist, zu einem aus der täglichen Bibellese ausgewählten Bibelvers eine Andacht mit maximal 880 Zeichen zu schreiben und dabei mit einem lebensnahen Einstieg zu beginnen. Kurz und praktisch – diese Kombination gefällt mir sehr gut, deshalb nutze ich den Kalender auch gerne selbst.

Die obenstehende Andacht habe ich kürzlich für den 9. Dezember 2023 geschrieben, es dauert also noch eine Weile, bis sie veröffentlicht wird. Der momento-Kalender für 2022 ist allerdings bereits im Buchhandel erhältlich, entweder als Abreißkalender oder in Buchform.

Wichtig ist mir aber nicht, für einen bestimmten Kalender Werbung zu machen, sondern dafür, die Bibel täglich in den Alltag des Lebens hineinsprechen zu lassen. Sie werden erstaunt sein, wie alltagsnahdie Bibel ist und wie sehr sie den Alltag positiv beeinflussen und verändern kann.

Herzliche Grüße, Ihr Pfarrer

Joachim Rieger