Kino und Kirche

Muhi

(D/Israel 2017) - Freitag, 16.11., 20.15 Uhr, Lichtspiele - Im Rahmen der Ökumenischen Friedensdekade 

In einem israelischen Krankenhaus nahe Gaza lebt ein vierjähriger palästinensischer Junge, dem Arme und Beine amputiert wurden.

Unterstützt wird er von einem Großvater, der sich aufopfernd um ihn kümmert. Der Dokumentarfilm folgt dem Alltag der beiden zwischen den Fronten des Nahostkonflikts.

Der warmherzige, oft aus der Sicht des Jungen geschilderte Film besitzt einen klaren Blick fürs Wesentliche, auch wenn er die tragischen Absurditäten ihrer Situation nicht aus den Augen verliert. Ohne politisch wohlfeile Statements plädiert er für Humanität und ein friedliches Zusammenleben. Seine positive Grundstimmung erwächst aus der sprühenden Energie des Kindes und dessen ansteckendem Lachen.

Angedacht

Geschmückte Braut

Für dieses Jahr ist die Hochzeitssaison in unseren Kirchen vorbei. Im Spätherbst und Winter gibt es fast nie kirchliche Trauungen. Das liegt sicher vor allem am Wetter, aber auch die nun vor der Tür stehenden Gedenktage Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag sind nicht gerade dazu angetan, Hochzeitsfreude zu verbreiten. Doch gerade in dieser Zeit werden wir im letzten Buch der Bibel an eine bevorstehende Hochzeit ganz anderer Art erinnert: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“ (Offenbarung 21,2; Monatsspruch für November) Jerusalem ist bis heute der Sehnsuchtsort vieler Juden und Christen – obwohl oder gerade weil Jerusalem eine der umstrittensten Städte der Welt ist. Sicher ist Jerusalem eine ganz besondere Stadt, in die man sich verlieben und die man immer wieder besuchen kann. Doch für den Seher Johannes ist klar, dass das irdische Jerusalem für Christen nicht der endgültige Sehnsuchtsort ist. Gottes neue Welt muss schon ganz anders aussehen als das, was wir bisher kennen: das neue Jerusalem, eine Stadt, ein Ort zum Wohnen – made in Heaven, aus dem Himmel auf die Erde importiert.

Bei Hochzeiten ist man als Pfarrer ja manchmal sehr überrascht, wenn man eine Braut bei der Hochzeit sieht. Man hat sich beim Traugespräch in Alltagskleidung kennengelernt, und jetzt ist die Braut kaum mehr wiederzuerkennen. Im Neuen Testament wird die Gemeinde der Christen immer wieder mit einer Braut verglichen. Das neue Jerusalem als geschmückte Braut ist also kein Ort aus Holz, Steinen und Beton, sondern ein lebendiger Organismus von Menschen. An der Kirche, an der Braut im Alltagslook gibt es viel auszusetzen, sie ist keine besondere Schönheit, sie hat viele Makel und Charakterschwächen. Aber Gott selbst wird sie am Ende der Tage in eine strahlende Schönheit verwandeln. Denn der Bräutigam Jesus Christus wartet auf sie, um gemeinsam mit ihr das himmlische Hochzeitsmahl zu feiern.

Wenn jetzt die trüben Tage mit manchen traurigen Erinnerungen kommen, dann könnte die Vorfreude auf das große Hochzeitsfest im Himmel eine hilfreiche Perspektive sein. So wie eine Braut dem Hochzeitstag entgegenfiebert, an dem sie ihre Alltagsklamotten gegen das Brautkleid eintauscht, so fiebern wir Christen dem Tag der Verwandlung entgegen, an dem wir als christliche Gemeinde auf der Erde himmlisch wohnen werden.

Herzliche Grüße

Ihr Pfarrer Joachim Rieger