Ruhestand und Neubeginn

Wechsel im Sekretariat an Martin-Luther- und Johanneskirche

Das geht gar nicht!“ – so lautete die einhellige Reaktion der Pfarrfamilie beim Gedanken an Cornelia, „Conny“ Rietzlers Ruhestand. Kaum vorstellbar war für alle in der Bahnhofstraße 25, dass sie, die wir seit 18 Jahren kennen, und die für uns fest zum Pfarramt gehört, einmal nicht mehr kommen würde.

Doch die Zeit schreitet unaufhaltsam weiter und wir müssen unsere Pfarramtssekretärin nun in den Ruhestand verabschieden. Seit 22 Jahren war sie mit Herz und Hand und unglaublich viel Engagement in den Pfarrämtern an der Martin-Luther-Kirche und der Johanneskirche tätig. Mit insgesamt sechs Pfarrerinnen und Pfarrer war sie in dieser Zeit Ansprechpartnerin für 2/3 unserer Gemeindeglieder.

Verwaltungsaufgaben erledigte sie genauso selbstverständlich wie sie manche Krise managte. Flexibel, mit- und vorausdenkend, bodenständig zupackend und immer wieder mit pointierten Kommentaren und viel Humor war sie uns eine absolut verlässliche Stütze.

Durch ihre weitere Tätigkeit im Kirchenregisteramt und im Kantorat war sie in der ganzen Kirchengemeinde präsent. Auf Konfirmandenfreizeiten bekochte sie gemeinsam mit Ursula Diez über Jahre hinweg ganze Konfirmandengenerationen. Beim Johannisfest, dem Rosencafé und unzählig vielen anderen Gemeindeveranstaltungen: Immer war sie am Start. Für „ihre“ MLK-Band legte und legt sie sich ins Zeug. Und auch überregional und auf Landesebene war sie vernetzt und auf Verbandsebene aktiv.

Wie das alles jetzt weitergeht ohne dich, Conny, wissen wir noch nicht. Aber im Namen der ganzen Kirchengemeinde und der Pfarrerschaft sagen wir von Herzen „Danke!“ und wünschen dir einen sonnigen Ruhestand – und wir haben keinen Zweifel daran, dass er lebhaft und voller Action sein wird – haggatschucka!

Gleichzeitig freuen wir uns aber auch sehr, dass mit Katharina Gurski ein der Gemeinde bereits sehr vertrautes Gesicht die Nachfolge in den beiden Pfarramtssekretariaten übernimmt. Es ist schön, dass es im Juli einen Monat der Einarbeitungs- und Übergangszeit gibt, so dass sich der Wechsel sanft vollzieht.

Im Gottesdienst am 4.Juli wird Cornelia Rietzler offiziell verabschiedet und Katharina Gurski begrüßt. Wir wünschen beiden Gottes Segen für ihren neuen Lebensabschnitt.

Frauke Dietz und Uwe Braun-Dietz  

 

Liebe Gemeindemitglieder,

ab dem 1. Juli werde ich die Nachfolge unserer langjährigen Pfarramtssekretärin der Martin-Luther- und der Johanneskirche, Cornelia Rietzler, antreten. Hier darf ich mich Ihnen nun kurz vorstellen.

Ich heiße Katharina Gurski, bin 32 Jahre alt und hier in Mössingen aufgewachsen. Das Gemeindeleben war von Kindesbeinen ein aktiver Teil in meinem Leben. Über die Kinderkirche, Chörle, Jungschar und Konfirmation habe ich das Gemeindeleben kennen und lieben gelernt und es ist bis heute immer wieder Anziehungspunkt. Nach dem Abitur, das ich hier am Firstwald- Gymnasium abgelegt habe, habe ich an der Tübinger Eberhard-Karls-Universität Internationale Literatur und Spanisch studiert und mit einem B.A.-Titel abgeschlossen.

Durch das Spanischstudium und dem einhergehenden Auslandssemester, das ich im schönen Wallfahrtsort Santiago de Compostela, dem Ende und Ziel des Jakobwegs, ablegte, lernte ich meinen Mann kennen und zog für knapp 4 Jahre zu ihm. Dort arbeitete ich bis zur Geburt unseres Sohnes (jetzt 7) als Deutschlehrerin für Erwachsene. Danach war ich auch für unsere drei Töchter (5, 4, 2) in Elternzeit. Seit 2016 sind wir (wieder) in Mössingen wohnhaft und fühlen uns hier auch sehr wohl.

Nun freue ich mich auch auf die Zusammenarbeit mit Frau Pfarrerin Dietz, Herrn Pfarrer Braun-Dietz und Herrn Pfarrer Krämer und mit allen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Und natürlich auf Sie, liebe Gemeindemitglieder! Wenn Sie Fragen haben, kommen Sie gerne auf mich zu. Es ist mir ein Vergnügen, Ihnen behilflich sein zu dürfen und Sie persönlich kennenzulernen.

Bis dahin grüßt Sie herzlich,

Ihre

Katharina Gurski

Angedacht

Nur was ich liebe…

Die Begeisterung war groß: „Ich seh‘ ihn! Ich seh‘ ihn! Oh! Er fällt gleich raus!“ Die Reliklasse war an der Martin-Luther-Kirche zum Thema „Gottes Schöpfung“ und die Kinder hatten oben im Turm eines der Turmfalkenjungen entdeckt. Jetzt beobachteten sie es fasziniert beim Flügelschlagen.

Danach ging es weiter. „Tschilp – Tschilp“ hörten die Kinder. „Was ist das für ein Vogel?“ Einer wusste es: „Ein Spatz!“ und plötzlich sahen und hörten ihn alle, entdeckten das Nest, sahen mit leuchtenden Augen Schmetterlinge, Bienen, Ameisen und immer mehr verschiedene Pflanzen wachsen und blühen.

Die lange Zeit des Homeschooling am Computer hat, so mein Eindruck, bei den Kindern eine regelrechte Sehnsucht nach echten, realen Sinneseindrücken und nach Begegnungen ausgelöst. Als wollten sie all das nachholen an gemeinsamen Entdeckungen, was ihnen in den letzten Monaten verwehrt war. Und während des Laufens herrschte deshalb auch ein unaufhörlicher Redefluss.

Für mich bestätigte sich wieder: Echte Begegnungen sind durch nichts zu ersetzen und kein digitales Medium schafft das, was solch ein Spaziergang an Eindrücken und Wahrnehmungen ermöglicht.

Solche Eindrücke sind letztlich auch die Basis für echtes Leben, Empathie, Freude und Glück.

Vom Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz stammt der Satz: „Nur was ich kenne, kann ich lieben. Nur was ich liebe, kann ich schützen“.

Recht hat er! Die nächste Generation kann diesen wunderschönen Planeten nur schützen, wenn sie ihn kennt, wenn sie die Natur wahrnimmt und kennenlernt, die Tiere sieht und versteht, was sie tun. Begegnen, wahrnehmen, staunen, lieben lernen sind Voraussetzung dafür, etwas zu schützen und zu bewahren.

Das gilt auch im weiteren Sinn: Nur wenn wir uns wahrnehmen und uns begegnen, bringt uns das zueinander. Die sozialen Medien sind immer anfällig für Missverständnisse und fehlende echte Begegnung führt schnell zu „Shitstorms“ und Verrohung im digitalen Umgang.

Zum Digitalisierungsschub brauchen wir deshalb viel stärker noch einen Wahrnehmungsschub - gerade nach der Pandemie. Im öffentlichen und kulturellen Leben, in der Gemeinde und auch im Gottesdienst: Echte Treffen sind wichtig. Ein Onlineangebot ersetzt analoge Begegnungen nie ganz. Das weiß jede und jeder nach all den Skype-, Zoom- und Teams-Meetings der letzten Zeit.

Gut deshalb, dass die Kinderkirchen und Teenykirche wieder starten und dass auch Chöre, Gruppen und Kreise wieder Räume und Möglichkeiten zur echten Begegnung haben. Das gehört zum Wesen von Gemeinde und entspricht dem Wesen Gottes. Denn schließlich sucht ja auch Gott immer die echte, wirkliche Begegnung mit uns.

Wozu wurde er sonst Mensch?

Einen fröhlichen Sommer und bis denne!

Ihre und eure Pfarrerin 

Frauke Dietz