Ökumenischer Stammtisch

200 Jahre Wilhelmsstift

 

Priesterausbildung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Regens Andreas Rieg, Priesterseminar Rottenburg am 9. Januar, 20.00 Uhr im Katholischen Gemeindehaus.

Angedacht

Die fünfte Kerze

 „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“ So lautet ein Kinderreim zur Adventszeit. Ältere Kinder ergänzen dann gerne: „Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt.“ Ist es wirklich so? Müsste nicht tatsächlich an Weihnachten eine fünfte Kerze angezündet werden? Der Adventskranz wurde erfunden, um die Vorfreude auf Weihnachten zu steigern. Eine Steigerung von einer auf vier Kerzen – und dann soll vor Weihnachten Schluss damit sein?

 

Die Adventszeit als Zeit der Einkehr und Umkehr soll uns innerlich auf Weihnachten vorbereiten. Doch erst an Weihnachten ist der Höhepunkt erreicht.

Haben wir nicht allen Grund, jetzt eine fünfte Kerze anzuzünden? An Weihnachten feiern wir, dass Jesus Christus als Licht in die Welt kam.

Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer kündigt Jesus an: „Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Lukas 1,78–79, Monatsspruch für Dezember).

Die fünfte Kerze auf dem Bild ist größer als die anderen vier, um darzustellen, dass das Christfest über den Adventssonntagen steht. Um das Licht von Jesus Christus darzustellen, braucht es eine große Kerze. So ist auch die Oster- und Christuskerze die größte Kerze, die regelmäßig in unseren Gottesdiensten brennt. Allerdings reicht die größte Kerze nicht aus, um wirklich auszudrücken, dass Jesus Christus das Licht für die Welt ist. Im Johannesevangelium wird Johannes der Täufer, der Wegbereiter von Jesus, als brennende Fackel bezeichnet. Jesus dagegen ist im umfassenden Sinn das Licht der Welt. Durch ihn wird die Dunkelheit erhellt, ja die Nacht wird vertrieben. So erleben die Hirten auf dem Feld mitten in der Nacht, dass es plötzlich taghell wird.

Also ist es schon wahr: Wenn an Weihnachten nur die fünfte Kerze brennt, dann haben wir Weihnachten tatsächlich verpennt. Denn Jesus Christus leuchtet heller als eine Kerze, er ist das Licht des Lebens, er ist gekommen, um die Dunkelheiten in unserem Leben zu vertreiben. Deshalb feiern wir Weihnachten.

Ein erhelltes, erhellendes und gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen und Ihren Lieben

Ihr Pfarrer

 

Joachim Rieger