Weltmissionsprojekte 2021

Kindern Lebenschancen geben

Sie hören es immer in den Abkündigungen: heute ist das Opfer für die Weltmission – und was heißt das jetzt? Haben Sie sich auch schon mal gefragt, was sich eigentlich genau dahinter verbirgt?

Als Kirchengemeinderat haben wir das Privileg, für jedes neue Jahr zwei Opferprojekte auszuwählen, die unsere Gemeinde ganz speziell unterstützen möchte. Für das Jahr 2021 haben uns zwei Projekte besonders angesprochen, die sich um die Schwächsten einer Gesellschaft kümmern - die Kinder.

1. Kinderheim der Nethanja-Kirche in Indien

Ein Mädchen zeigt stolz ihren ganzen Besitz in ihrer gelben Kiste. (Foto: Hägele)

Das erste Spendenprojekt unterstützt Kinderheime der Nethanja-Kirche in Indien, deren besonderes Anliegen die Förderung von Waisenkindern, insbesondere Mädchen ist.

Da ich vor fünf Jahren die Möglichkeit hatte, die verschiedenen Einrichtungen dieser Kirche zu besuchen und mich diese Arbeit nachhaltig begeistert hat, möchte ich gerne etwas von meinen Eindrücken weitergeben.

Mädchen gelten in Indien als minderwertig, oft wird ihnen eine Schulbildung vorenthalten. Sie müssen arbeiten gehen und werden ohne ein Mitspracherecht früh verheiratet. Noch heute ist es in ländlichen Regionen üblich, weibliche Embryonen abzutreiben oder Mädchen nach der Geburt auszusetzen.

Die Nethanja-Kirche betreibt in mehreren Städten Waisenhäuser für Mädchen und sorgt dort für Unterkunft, Schutz, Gemeinschaft, Schulbildung und Erziehung mit christlichen Werten.

Je 20 Mädchen sind in kleinen Pavillons gemeinsam mit einer Betreuerin untergebracht. Sie besuchen die örtliche Schule oder in Visakhapatnam auch die Nethanja-eigene Schule, in der auch eine höhere Schulbildung bis zum Abitur möglich ist. 75% der Schüler sind Mädchen. Ich habe Lehrerinnen auf dieser Schule kennengelernt, die selbst in einem Mädchenheim aufgewachsen sind und nun mit großem Stolz ihr Wissen weitergeben.

 

 

Mit am eindrücklichsten waren für mich die leuchtenden Augen, die fröhlichen Gesichter und die ehrliche Freude, die den Kindern abzuspüren war. Hier schien es bei unserem Besuch keine Sprachbarriere zu geben, wenn man miteinander lacht und singt, Hüpf- und Klatschspiele macht oder „Fischer, Fischer welche Fahne weht heute?“ spielt. Mich jedenfalls haben diese drei Wochen nachhaltig geprägt und mir gezeigt, wie die Liebe Gottes ganz praktisch weitergegeben werden kann. Und sie haben mir einen Blick für die weltweite Gemeinschaft der Christen gegeben.

 

2. Traumatisierten Kindern  auf den Philippinen helfen

Im zweiten Projekt von PMA (Pacific Mission Aviation) Deutschland e.V. Dettingen/Teck aus unterstützen wir ein Waisenhaus auf den Philippinen, in dem sexuell traumatisierte Jungen und Mädchen betreut und aufgefangen werden.

Die Initiative schreibt dazu:

„Auf den Straßen der Philippinen tobt ein knallharter "Anti-Drogen-Krieg" des Staatschefs Rodrigo Duterte. Dieser hat in den letzten fünf Jahren 10.000 Menschen (Kritiker schätzten die Zahl dreimal so hoch ein) und mindestens 250 Menschenrechtler, Juristen und Journalisten das Leben gekostet. Viele Kinder sind zu Waisen geworden und finden sich auf den Straßen im Kampf gegen Hunger, Gewalt und Ausbeutung wieder. Immer mehr Mütter treibt die Hungerpandemie zu entsetzlichem Missbrauch ihrer eigenen Kinder, Nichten und Neffen. Vor Webcams werden sie im Alter von 2-15 Jahren zu sexuellen und perversen Handlungen miteinander getrieben, so wie es Pädophile vor ihren PCs wünschen. Diese rasant steigende Online-Cyber-Sex-Ausbeutung hinterlässt traumatisierte Kinder.

Endlich entdeckt, werden sie von der Philippine National Police u.a. in unser Waisenhaus „Bahay Kalinga“ gebracht, und erfahren eine geschützte und liebevolle Zuwendung.

Andere (teils vergewaltigte Frauen) versuchen der Not u.a. folgendermaßen zu entgehen: Letztes Jahr entdeckte eine Sozialarbeiterin am Gartentor unseres Waisenhauses einen blauen Beutel. Plötzlich bewegte er sich. Sie befürchtete eine giftige Schlange, doch beim vorsichtigen Öffnen entdeckte sie ein neugeborenes Baby. Als man nach Monaten keine Verwandten finden konnte, wurden Papiere für das Baby erstellt und es zur Adoption freigegeben. Nach einem Jahr liebevoller Pflege in unserem Waisenhaus konnten wir Eltern aus den kleinen Polillo-Inseln finden, wo es nun ein liebevolles Zuhause erlebt.

Unser Waisenhaus konnte in den letzten 30 Jahren ca. 300 Waisen aufnehmen und für ca. 30 Kinder konnten wir Adoptionseltern finden, aber das Haus platzt aus allen Nähten. Die Sozial- und Wohlfahrtsbehörde der Philippinen hat vorgeschrieben, dass wir eine weitere Sozialarbeiterin einzustellen müssen, was wir auch getan haben. Wir wollen den wachsenden Anforderungen gerecht werden, benötigen jedoch Ihre kräftige Unterstützung, um diesen so gebeutelten Kindern eine Chance zurück in ein hoffungsvolles Leben zu ermöglichen.“

 

Ich hoffe, dass ich Sie für diese beiden Projekte begeistern konnte und Sie jedes Mal, wenn in den Abkündigungen von Weltmission die Rede ist an die Unterstützung dieser Kinder denken – im ganz materiellen Sinn und gerne auch im Gebet!

Dr. Dagmar Hägele

Angedacht

Wir beten

Rudolf Epp: Das Morgengebet. (Quelle: Wikipedia.de)

Der Glaube an Gott ist etwas sehr Persönliches – das ist richtig.

Das Reden mit Gott ist etwas sehr Persönliches – das ist wichtig.

Jesus selbst hat sich immer wieder ganz allein zurückgezogen, um zu beten und mit seinem Vater in Kontakt zu bleiben. Und doch ist Glaube und Gebet mehr und größer.

Als Jesus nach seiner Auferstehung Maria von Magdala begegnet, sagt er: „Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ Jesus nimmt uns in seine persönliche Beziehung zu Gott mit hinein und bringt auch uns in dieser Gemeinschaft zusammen wie in einer Familie. Deshalb sprechen wir in jedem Gottesdienst gemeinsam das Gebet, das wir von Jesus gelernt haben: „Vater unser“.

In anderen Veranstaltungen können wir klatschen, wenn uns gefällt, was ein Redner oder eine Rednerin sagen. Beim Gebet geht es nicht darum, einer Person zu applaudieren, aber sehr wohl darum, dem Inhalt eines Gebetes zuzustimmen, ein Gebet zu meinem Gebet zu machen, zu unserem gemeinsamen Gebet. Wir haben deshalb den Brauch aus der Bibel übernommen, laut (oder manchmal auch leise) „Amen“ zu sagen und zu singen: „Ja, so soll es sein!“

Gerade im Gottesdienst erlebe ich: Auch wenn ich glaube, bin ich nicht allein; auch wenn ich bete, bin ich nicht allein. Deshalb können auch andere Personen mit mir und für mich, mit uns und für andere beten. Es sind vielleicht nicht meine Anliegen, die vor Gott gebracht werden, aber ich kann sie zu meinen Anliegen machen, weil sie anderen wichtig sind, und weil es im Gebet nicht nur um mich, sondern um alle Menschen und die ganze Welt und um Gott geht.

Wir beten – miteinander und füreinander.

 

Ihr

 

Matthias Krämer

 

 

Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen

und wird vom Dunkel überweht.

Am Morgen hast du Lob empfangen,

zu dir steigt unser Nachtgebet.

 

Die Erde rollt dem Tag entgegen;

wir ruhen aus in dieser Nacht

und danken dir, wenn wir uns legen,

dass deine Kirche immer wacht.

 

Denn unermüdlich, wie der Schimmer

des Morgens um die Erde geht,

ist immer ein Gebet und immer

ein Loblied wach, das vor dir steht.

 

Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben

den Menschen überm Meer das Licht:

und immer wird ein Mund sich üben,

der Dank für deine Taten spricht.

 

So sei es, Herr: die Reiche fallen,

dein Thron allein wird nicht zerstört;

dein Reich besteht und wächst, bis allen

dein großer, neuer Tag gehört.

 

(Evangelisches Gesangbuch Nr. 266)