Konfirmation 2020 ganz anders

Im Herbst statt im Frühjahr

Die Pandemie hat viele Planungen für dieses Jahr über den Haufen geworfen, darunter auch die Konfirmationen in unseren Kirchen. Ursprünglich geplant für den Zeitraum von Ende April bis Ende Mai mussten wir plötzlich neue Termine finden. Mit fünfmonatiger Verspätung finden die Konfirmationen nun Ende September und im Oktober statt.

Auch die Form wird anders als gewohnt sein. Die Abstandsregeln und die damit verbundenen begrenzten Kapazitäten unserer Kirchen zwingen uns oft dazu, mehrere Gottesdienste an einem Sonntag zu halten. Diese dauern dann auch nicht anderthalb Stunden, sondern nur ca. 45 Minuten.

Alles anders – und doch auch wieder nicht. Denn auch wenn Datum, Uhrzeit und äußere Form anders sind als sonst, so bleibt doch der Kern und der Inhalt dessen, wofür Konfirmation steht, derselbe: 65 Jugendliche bekennen sich zu ihrem Glauben, unserer Kirche und zum dreieinigen Gott. Und allen 65 sagt Gott zu, dass er sie auf ihrem Lebensweg begleiten und sie segnen will. Und wer weiß, ob das Gespür dafür durch die Erfahrungen der letzten Monate nicht nochmals stärker geworden ist und das „Ja“ unserer Konfirmandinnen und Konfirmanden samt ihrer Familien dadurch umso bewusster geschieht.

Und auch in dieser Form wird es ein feierlicher und einzigartiger Moment in ihrem Leben bleiben, wenn Gott ihnen seinen Segen zuspricht. Möge er sie leiten und begleiten auf all ihren Wegen.

Uwe Braun-Dietz

Angedacht

Breit aus die Flügel beide

Nun sind sie schon wieder unterwegs nach Afrika: Die Mauersegler, die von Mai bis Ende Juli im Giebel unseres Pfarrhauses nisten.

Durch ein Fenster auf der Rückseite des Nistkastens können wir sie Jahr für Jahr beobachten. Einer der berührendsten Momente des Sommers ist für mich dabei immer der, wenn die kleinen Küken geschlüpft sind. Nur wenige Zentimeter groß, blind und völlig hilf- und schutzlos liegen sie im Nest. Ohne ihre Eltern hätten sie keine Chance. Doch sofort beginnen die Altvögel zu hudern, nehmen ihre Jungen also schützend unter ihre Fittiche, um sie zu wärmen – so wie dies ja alle Vögel machen. Beim Anblick dieser Szene fällt mir immer eine Zeile aus dem Lied „Nun ruhen alle Wälder“ (Evang. Gesangbuch Nr. 477) ein:

„Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein (=Küken) an. Will Satan mich verschlingen, so lass die Engel singen: Dies Kind soll unverletzet sein.“

Gott als behütende Vogelmutter, als große, beschirmende und schützende Macht, unter deren Flügeln wir Menschen wie kleine Küken Zuflucht und Wärme finden – was für ein eindrückliches Bild. Und eines, dass nicht nur im Kirchenlied, sondern ganz unmittelbar auch in der Bibel oft verwendet wird.

Die Psalmen sind geradezu voll davon. Dort heißt es: „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“  Beter bitten Gott um Zuflucht unter seinen Fittichen, sie finden Schutz, „bis das Unglück vorübergehe“ und frohlocken geradezu unter dem Schatten von Gottes Flügeln.1 Sogar im 121. Psalm klingt das Motiv an, wenn es heißt „Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechen Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.“ (Ps 121,5).

Ich erinnere mich noch gut an diesen kalten und verregneten Sommer vor einigen Jahren: Die Mauerseglerküken waren noch klein und die Altvögel fanden nirgends Nahrung. Deshalb mussten sie beide wegfliegen. Mauersegler, die außer beim Brüten nur fliegen, können locker mal ein paar hundert Kilometer weit fliegen, um in besserem Wetter kleine Insekten und „Luftplankton“ als Nahrung zu fangen. Ihre Küken fallen dann solange in eine Art Kältestarre, die sie einige Tage überleben lässt.

Bang starrten wir Tag für Tag in den Nistkasten und sahen die nackten, hungrigen Küken. Als wir schon die Hoffnung aufgegeben hatten, zischten plötzlich zwei triefnasse schwarze Schatten durch den regenschweren Himmel: Die Eltern mit Schnäbeln voller Nahrung. „Können Eltern je ihr Kind vergessen?“ (Jes 49,15)   

Ein letztes: Nach einem Monat sind aus den kleinen Küken erwachsene Vögel geworden, äußerlich ihren Eltern gleich. Auch das ist mir ein Gleichnis, wie Gott sich uns wünscht: Als seine Ebenbilder, ihm gleich. Zu ihm hin sollen wir wachsen. 

Schon jetzt freue ich mich auf die „sriii – sriii“-Rufe der Mauersegler im nächsten Mai, die den Sommer künden.

Herzliche Grüße - bis denne

Ihre und eure Pfarrerin

Frauke Dietz  

1 Zum Nachschlagen hier die Psalmstellen: Psalm 36,8; 61,5; 17,8; 57,2 und 63,7.