Wieder Gottesdienste

Wir freuen uns sehr, dass wir wieder Gottesdienste in unseren drei Kirchen feiern können. Dabei kommt uns zugute, dass die Bestuhlung in unseren drei Kirchen im Gegensatz zu vielen Kirchen mit Bänken sehr flexibel ist. So können wir den von der Landeskirche geforderten Mindestabstand von jeweils zwei Metern einhalten und gleichzeitig Menschen, die in häuslicher Gemeinschaft leben, das Zusammensitzen ermöglichen. In unseren Kirchen stehen jeweils 50 bis über 70 Sitzplätze zur Verfügung. Alle weiteren Infos finden Sie unter "Gottesdienste"

 

Angedacht

Gott kennt das Herz

„Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten.“ Dieses bekannte deutsche Volkslied entstand Ende des 18. Jahrhunderts. Es hat schon vielen Menschen, die unter Diktatur und Unfreiheit litten, Trost gegeben. Wenigstens die Freiheit des Denkens kann uns niemand nehmen! Doch wie frei sind unsere Gedanken wirklich? Daran beginnen wir nicht erst im Internetzeitalter zu zweifeln. Jeder Online-Kauf, jede Suchanfrage, jede Nachricht, die wir verschicken: Alles wird auf Servern gespeichert und mit Algorithmen weiterverarbeitet, so dass Nutzerprofile erstellt werden können, die mehr über uns wissen als die Menschen, die uns nahestehen. In der Psychologie weiß man schon lange, dass Wortwahl, Tonfall, Gestik und Mimik weit mehr über unsere Gedanken verraten, als uns lieb ist.

Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass König Salomo aus dem Alten Testament recht hat, wenn er in einem Gebet zur Einweihung des Tempels in Jerusalem feststellt: „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“ Wir Menschen sind immer noch mehr als die Summe der Daten, die man über uns erheben kann. Gott kennt unsere tiefsten Empfindungen, Gedanken, Wünsche, Ängste und Sehnsüchte. Manchmal sind wir uns gar nicht im Klaren über das, was in unserem Innersten vor sich geht, wir bekommen es selbst kaum sortiert. Wir nehmen alles andere als klare Gedanken wahr.

Dazu ist mir eine weitere Liedstrophe eingefallen. Sie stammt von Albert Frey, dem wohl bekanntesten Lobpreismusiker unserer Tage: „Du kennst mein Herz, die Sehnsucht in mir. Als wahrer Gott und Mensch warst du hier. In allem uns gleich und doch ohne Schuld. Du bist barmherzig, voller Geduld. Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst. Herr, du richtest mich wieder auf, und du hebst mich zu dir hinauf. Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.“

Gott kennt unser Herz, unser Innerstes. Das ist nicht zu unserem Nachteil – im Gegenteil: Gott sieht uns mit dem Blick der Liebe, der Barmherzigkeit und Geduld. Er räumt aus dem Weg, was zwischen uns und ihm steht, er bringt uns weiter zurecht. Vor ihm brauchen wir nichts zu verstecken, es würde eh nichts nützen. Das finde ich sehr befreiend!

Ein gesegnetes und inspirierendes Pfingstfest in diesen besonderen Zeiten wünscht Ihnen Ihr Pfarrer

Joachim Rieger