Neues Giebelkreuz montiert

Ein starkes Zeichen

Zum dritten Advent, dem 55. Geburtstag der Martin-Luther-Kirche, wurde es angebracht: Das neue Kreuz am Giebel der Nordseite der Kirche. Als sichtbares Zeichen von ca. 3x3,50 m Größe wird es das Gebäude künftig unverwechselbar als Kirche kennzeichnen und so auch ein Zeichen in unserer Stadt sein.

Je drei senkrechte und drei waagrechte, sich verbreiternde Flachstahlstreben formen ein dreifaches Kreuz mit viel Symbolik. Sowohl die drei Kreuze auf Golgatha als auch die Dreieinigkeit klingen an.

Je nach Blickwinkel wirkt das Kreuz kräftig (seitlich) oder ganz leicht und filigran (von vorne). Offen und dynamisch liegen die Streben versetzt zueinander, so dass viel Bewegung drinsteckt.

Das Gegenstück zu den horizontalen und vertikalen Linien des Kreuzes bildet der goldene Ring, der die Kreuzmitte einfasst. Der Kreis als Zeichen für Gottes Vollkommenheit umschließt das Kreuzgeschehen, genauso wie Jesu Auferstehung seine Kreuzigung umfasst. Steht das anthrazitfarbene Kreuz für Karfreitag, so symbolisiert der goldene Kreis Ostern. Genau wie beim Altarkreuz im Innern der Kirche findet sich damit beim Giebelkreuz die Anspielung auf das wahre Menschsein und wahre Gottsein Jesu.

Darüber hinaus schlägt der Ring auch einen Bogen zur Lutherrose auf dem Kirchturm, denn er hat den gleichen Durchmesser wie der dortige goldene Ring.

Überhaupt nimmt das Giebelkreuz die Formen und Elemente der Kirche auf:

Klar, geradlinig und schnörkellos wie der Bau aus den 60erjahren. Der Winkel, mit dem sich die Streben verbreitern, entspricht dem der Stahlbetonträger im Kircheninnern und die Abschlusswinkel von 20° oben und unten sind die von Kirch- und Kirchturmdach.

Ein kaum sichtbares, jedoch ebenfalls hochsymbolisches Detail ist schließlich die Anbringung des Kreuzes durch zwölf Metallstäbe, die es mit der Kirchenwand verbinden – so wie biblisch die zwölf Apostel die Verbindung zwischen Jesus und seiner Kirche bildeten.

Der Entwurf des Giebelkreuzes stammt von unserem Kirchengemeinderat Peter Schürg und wurde von einer Arbeitsgruppe konsequent aus den Materialien und Formen des Kirchengebäudes heraus entwickelt. Künstlerisch beraten wurde die Gruppe dabei von Paul Zimmermann aus Pliezhausen, einem der erfahrensten und weltbesten Kunstschmiede.

Das Atelier Zimmermann hat das Kunstwerk auch gefertigt und seine ganze Erfahrung in die fachmännische Umsetzung des Entwurfes eingebracht.  

Dies alles mit einem großen „Ja“ unserer Gemeinde: Denn das Kreuz konnte nahezu vollständig durch Spenden, die in diesem Jahr dafür eingingen, finanziert werden – auch das ein weiteres, starkes Zeichen. Mit einem Festgottesdienst am 15. Dezember freuen wir uns über das neue Giebelkreuz als starkes Zeichen unseres Glaubens und laden dazu herzlich ein.

Frauke Dietz und Uwe Braun-Dietz

 

Eindrücke von der Montage:

12.12.,11.00 Uhr: Soeben wurde das neue Giebelkreuz an der MLK montiert. 

Hier ein paar Eindrücke:

 

 

 

 

 

 

Angedacht

Ja-Engel und Nein-Engel

Engel - Anderer Advent e.V.

Weihnachtszeit ist Engelzeit. Überall sieht man süße Putten oder Rauschgoldengel. An Heiligabend bevölkern unzählige wunderschön weißgewandete Weihnachtsengel die Krippenspiele. Engel zum Basteln, zum Aufstellen oder an den Christbaum hängen – die himmlischen Flügelwesen, seit Kindertagen durch Lieder und Gedichte vertraut, gehören einfach dazu.

Aber was sind Engel eigentlich und wie ist das mit den Flügeln?

Es gibt in der Bibel tatsächlich einige Engel, die haben Flügel. Die Seraphen aus Jesaja 6, die im Himmel Gott beständig loben.

Aber das war’s auch schon. Der Rest der biblischen Engel kommt recht bodenständig daher. Die Cheruben zum Beispiel bewachen in 1. Mose 3 mit Schwertern das Paradies. Mit denen legt man sich besser nicht an.

Auch der Erzengel Michael trägt ein Schwert. Braucht er wohl auch als Anführer des himmlischen Heeres, das am Ende der Zeit den teuflischen Drachen besiegt (Offb 12).

Raphael ist der sprichwörtliche Schutzengel, der im Buch Tobit den Tobias begleitet und Gabriel ist Gottes Oberbotschafter schlechthin. Er sagt dem alten Zacharias, dass er noch Vater wird und später Maria, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringt (Lk 1). In ähnlicher Funktion erleben wir auch die Engel auf dem Feld bei Jesu Geburt (Lk 2,10) und an Ostern nach seiner Auferstehung (Mt 28,5). Sie bringen frohe Botschaft, tragen Gottes großes „Ja“ zu uns Menschen.

Es gibt aber neben den „Ja-Engeln“ auch „Nein-Engel“: Den Engel zum Beispiel, der im 4.Mose 22 Bileam entgegentritt, damit der nicht in sein Verderben rennt, oder den, der im 1.Mose 22 Abraham davon abhält, seinen Sohn Isaak zu opfern. 

Ich finde beide Arten von Engeln sehr wichtig. Zum einen brauchen wir immer wieder jemanden, der „Ja“ zu uns sagt und der uns auch Gottes „Ja“ verkündigt. Dafür steht der Weihnachtsengel, wenn er ruft: „Fürchtet euch nicht!“ Zum anderen braucht unsere Welt aber auch Nein-Engel, Engel, die stand halten und aushalten, solche, die Einhalt gebieten und zur Umkehr rufen. Vor allem sie haben es oft nicht leicht, weht ihnen doch immer wieder Eiseskälte und Hass entgegen.

Wenn wir also in den Weihnachtstagen die vielen putzigen und süßen Engelsfiguren sehen, dann weisen sie uns auf die eigentlichen Engel hin, die Ja-Engel genauso wie die Nein-Engel.

Diese finden sich übrigens überall – und sie haben praktisch nie Flügel. Überall, wo Menschen Gottes „Ja“ zu uns und sein „Nein“ zu Unrecht und Leid leben und zeigen, sind sie seine Boten mitten in dieser Welt. Nichts anderes bedeuten nämlich das hebräische Wort „mal’ak“ und das griechische „angelos“, als schlicht „Bote“.

Pfarrer Christoph Blumhardt sagte einst seinen Gästen zum Abschied immer: „Ich geb‘ dir einen Engel mit!“ Ich denke, er meinte damit genau solche Ja- und-Nein-Engel, egal ob mit oder ohne Flügel.

Auch ich wünsche Ihnen und euch solche Engel zur Seite und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Bis denne!

Frauke Dietz