Modellbeet

Stauden für Wildbienen

 

Seit Mai blüht es bunt am Goethehäusle. Glockenblumen, Margeriten, Wiesensalbei, Blutweiderich, Knautie, Frauenmantel, Schafgarbe und noch viele weitere Stauden machen das neu angelegte Beet gegenüber der Martin-Luther-Kirche das ganze Jahr über zu einer Augen- und Bienenweide.

Ausschließlich heimische Wildpflanzen bieten Nahrung nicht nur für Honigbienen, sondern auch für Wildbienen und Schmetterlinge und setzen so ein Zeichen für Artenschutz und Artenvielfalt zur Bewahrung der Schöpfung.

Das Staudenbeet am Goethehäusle ist damit ein weiterer wichtiger Baustein im Artenschutzkonzept rund um die Martin-Luther-Kirche. Neben Nistmöglichkeiten für Wildbienen, Vögel und Fledermäuse gibt es nun auch spezielle Nahrungsangebote für Wildbienen. Dieses Beet soll damit Modellfunktion haben für alle, die selbst Artenschutzmaßnahmen für bedrohte Insekten ergreifen wollen.

Möglich wurde dieses Projekt durch Spenden, die im Februar bei einem Vortragsabend von Dr. Paul Westrich über Wildbienen eingingen. Diese Spenden konnten – im Anschluss an einen entsprechenden Beschluss des Kirchengemeinderates - in Kombination mit Mitteln aus dem Landesförderprogramm PLENUM genutzt werden, um die hochwertigen Pflanzen zu beschaffen. Der Verein „VIELFALT e.V. im Landkreis Tübingen“.

Dr. Westrich ist auch der fachliche Begleiter des Staudenbeets und hat die Pflanzenauswahl betreut. Bestellt wurden die Stauden zudem regional hier im Landkreis, so dass keine weiten Transportwege nötig waren. Komplett ehrenamtliches „Buddeln“, Pflanzen und Pflegen haben weitere Kosten vermieden.

Jetzt blüht es kunterbunt und artgerecht und demnächst soll auch noch eine Tafel am Goethehäusle Sinn, Zweck und Hintergrund dieses Beetes erläutern.

Über allen ökologischen Nutzen hinaus dient dieses Beet aber auch uns Menschen, erfreut das Herz und zaubert in so manches Gesicht ein Lächeln.

Frauke Dietz und Uwe Braun-Dietz


 

Angedacht

Wozu noch Kirche?

220 000 Menschen sind im letzten Jahr aus der Evangelischen Kirche ausgetreten – und in diesem Jahr werden es ähnlich viele sein.

Auch unsere Kirchengemeinde schrumpft. War sie einst mit 6300 Gemeindegliedern die größte Einzelgemeinde im Landkreis, so hat sie in den letzten 15 Jahren 800 Gemeindeglieder verloren, durch Todesfälle, Umzüge, aber auch durch Kirchenaustritte.

Eher selten liegt das direkt an unserer Kirchengemeinde. Viel schwerer wiegen die „großen Themen“: Skandale in Kirchen, rückständig empfundene Moralvorstellungen und die Kirchensteuer werden genannt, vor allem aber gilt eine fehlende Bindung zu Kirche als Hauptgrund für den Mitgliederschwund. Viele wissen offensichtlich nicht mehr, was Kirche eigentlich soll.

Wenn Menschen aber nicht mehr wissen, wozu Kirche überhaupt (noch) da ist, dann stellt sich uns die „Relevanzfrage“, die Frage nach unserer Bedeutung in der und für die Gesellschaft immer

stärker. Wozu braucht man Kirche überhaupt noch? Wofür steht sie? Weshalb soll man sie – auch finanziell – unterstützen? Wir sind als Kirche mehr denn je gefragt, hier Antworten zu nennen.   

Es gibt diese Antworten und sie leiten sich unmittelbar von unserem Auftrag als Kirche her. Wenn Jesus in Mt 28,19 sagt: „Gehet hin und lehret alle Völker“, dann beauftragt er uns, uns einzumischen in die Gesellschaft und sie durch Gottes Licht zu beleuchten und zu hinterfragen.

Wir sind gerufen, Ängste und Sorgen der Menschen zu hören und darauf einzugehen, so wie Jesus selbst die Menschen wahrgenommen hat. Er ist zu Schwachen und Außenseitern gegangen, hat Maßstäbe für ein gelingendes Miteinander benannt, Menschen Hoffnung auf Zukunft gemacht und Angst überwunden.

All das geschieht auch heute in unserer Kirche und in unseren Gemeinden: Diakonie und Nächstenliebe, Seelsorge, Bildung mit Wertmaßstäben und einer hohen Ethik, Einsatz für Stadt, Land, Gesellschaft und Welt, Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, Trost, Stärken und Ermutigen von Menschen, ihre Gaben zu entfalten, Stimme für Schwache und Stumme sein – für all das und noch mehr setzen sich Christen in der Nachfolge Jesu ein.

Dennoch kommt mir unsere Kirche manchmal vor wie ein schlafender Riese. Als wäre sie sich ihres Auftrags nicht so recht bewusst - und umgekehrt, als würde auch die Gesellschaft als Ganzes nicht mehr sehen, welch unglaubliche Kraft zur positiven Veränderung der Welt in Kirche steckt.

Ich würde mir deshalb wünschen, dass wir alle uns dieser Kraft bewusster werden, nicht nur die stark Kirchenverbundenen, sondern gerade die vermeintlich „Kirchenfernen“: Dass sie sich einmischen, gemeinsame Schnittmengen suchen und wir miteinander für das Wohl der Welt und der Menschen eintreten. Wenn wir gemeinsam diese Kraft erkennen, dann erledigt sich auch die Relevanzfrage von selbst, denn dann bleiben wir als Kirche dort, wohin Jesus uns gesandt hat: Mittendrin als Boten Gottes für die Welt.

 

Herzliche Grüße

 

Uwe Braun-Dietz

P.S.: Am 1. Advent ist übrigens wieder Kirchenwahl. Eine gute Möglichkeit für alle sich einzumischen.